"Schon wieder ein Buch über Einstein?", mögen die Leser denken, wenn sie das vorliegende Werk in die Hand nehmen. Doch sie sollten es besser nicht wieder beiseite legen. Es ist zur Abwechslung einmal keine populärwissenschaftliche Einführung in die Relativitätstheorie, und auch keine ausufernde Biografie. Der Mathematiker, Physiker und Journalist David Bodanis hat ein Buch geschrieben, das der physikalischen Intuition Einsteins (1879-1955) nachspürt. Sie trug entscheidend zu den imposanten Erfolgen bei, die der Wissenschaftler zu Beginn des 20. Jahrhunderts erzielte. Doch als er sie auf die Welt der Quanten anwendete, saß er einem tragischen Irrtum auf. Wie entstanden die beiden Grundüberzeugungen Einsteins, die Welt sei deterministisch und mit eleganten Gleichungen zu beschreiben?

Natürlich kommt auch Bodanis nicht umhin, Einsteins Lebensweg nachzuzeichnen: Ulm, München, Bern und Zürich, Prag, Berlin und schließlich Princeton. Doch verliert der Autor nie den Fokus seines Buchs aus dem Blick. Was bedeutete es für den Wissenschaftler, im Berner Patentamt nur verborgen und ohne Kontakt zu führenden Physikern an seinen Theorien arbeiten zu können? Wie ging er mit dem wachsenden, beinahe unheimlichen Ruhm um, nachdem der britische Astronom Arthur Eddington (1882-1944) die Lichtablenkung am Sonnenrand nachgewiesen hatte? Und wie argumentierte Einstein gegenüber jüngeren Kollegen, die die Quantenmechanik entwickelten?

Der Irrweg des statischen Universums

Einstein war mehrfach gezwungen, seine Haltung zur Allgemeinen Relativitätstheorie zu ändern. Nachdem er die Feldgleichungen veröffentlicht hatte, bemerkte er, dass sie kein statisches Universum beschrieben. Daher fügte er den Gleichungen einen Term hinzu, der stabile Lösungen erlaubte. Wenige Jahre später begannen astronomische Beobachtungen darauf hinzuweisen, dass das Universum sich ausdehnt. Georges Lemaitre (1894-1966) wies Einstein 1927 darauf hin, doch der wollte die empirischen Befunde zunächst nicht wahrhaben. Seine berühmte Reise zu Edwin Hubble (1889-1953) an das Mount-Wilson-Observatorium fand erst 1931 statt. Einstein sah schließlich ein, dass sein Korrekturterm überflüssig war. Hätte der Physiker seiner ursprünglichen Intuition vertraut und auf die Einführung des Terms verzichtet, hätte er vor den empirischen Hinweisen postulieren können, dass das Universum in einem Urknall entstanden ist – und wäre wohl noch berühmter geworden.

Doch eben jene Intuition und Erfahrung, die Einstein zu seiner erfolgreichen Relativitätstheorie verhalfen, bewirkten laut Bodanis, dass er im Hinblick auf die Quantenmechanik fehl ging und aus den einschlägigen Versuchsergebnissen nicht die richtigen Schlüsse zog. Eine fatale Haltung, die den Physiker letztlich in die Isolation trieb. Für seine Kollegen wurde er zum lebenden Fossil. Hoch geachtet für seine früheren Leistungen, aber fachlich ignoriert, verbrachte Einstein die letzten 22 Jahre seines Lebens in Princeton.

"Einsteins Irrtum" schafft es, dass der Leser dies sehr gut nachempfinden kann. Ein großes Kompliment an den Autor: Das Buch behandelt den spannendsten Aspekt von Einsteins wissenschaftlichem Wirken. Das Werk ist nie langweilig, bestimmt nicht zu lang, und es liest sich sehr gut.

Renaissance der kosmologischen Konstanten

Zwei Schwächen muss man allerdings kritisieren. Zum einen endet das Buch mit Einsteins Tod und vernachlässigt daher zwei wichtige Entwicklungen. Die Experimente zur Nichtlokalität der Quantenmechanik, die auf Arbeiten von Einstein, Podolsky und Rosen zurückgehen, erwähnt es ebenso nur am Rande wie die Entdeckung der Dunklen Energie – welche man genau mit dem Term beschreiben kann, den Einstein seinen Feldgleichungen zunächst hinzugefügt und dann wieder gestrichen hatte.

Der zweite Kritikpunkt betrifft Textpassagen, in denen Bodanis versucht, manche Aspekte der einsteinschen Formeln begreiflich zu machen. Das geht gründlich schief. Besonders rätselhaft sind die Ausführungen zur Gleichung E=mc2. Der Autor stellt sich hier die Städte München und Edinburgh durch einen Tunnel verbunden vor. Menschen könnten dort hindurch, würden auf der bayerischen Seite klein und schwer, aber auf der schottischen Seite groß und energiegeladen. Damit will der Autor die Äquivalenz von Energie und Masse darstellen und verdeutlichen, wie groß der Proportionalitätsfaktor c2 ausfällt. Das ist allerdings ein dermaßen schlechtes Bild, dass Bodanis es besser weggelassen hätte. Leider ist es nicht der einzige Vergleich im Text, der mehr als hinkt.