"Das Publikum liebt Erzählungen über befähigte Menschen", schreibt Werner Siefer in seinem zweiten Buch "Das Genie in mir". Da hat er Recht.

Bekommen so genannte Genies ihre besondere Befähigung schon in die Wiege gelegt, oder zeichnen sie sich durch ihren außerordentlichen Fleiß aus? Im Spannungsfeld der Nature-Nurture-Debatte verarbeitet der Autor die aktuelle Forschungslage zur Entstehung von Spitzenleistungen zu einem soliden Fachbuch über Begabung und Übung.

Egal ob Darwin, Mozart oder Einstein, die meisten bekannten Genies investierten Jahre lang zahllose Stunden in zielgerichtetes Üben mit "vollem Herzen, wachem Verstand und offenen, neugierigen Augen", wie Siefer es ausführt. So interessant sich die Biografien vieler Genies lesen, so langweilig ist die Antwort darauf, wie ihre herausragenden Leistungen möglich wurden: üben, üben und nochmals üben.

K. Anders Ericsson, Psychologieprofessor an der Florida State University, untersuchte bereits Anfang der 1990er Jahre die Karrieren von studierenden Violinisten und stellte fest, dass grob geschätzt ungefähr 10 000 Übungsstunden notwendig sind, um auf internationalem Parkett zu glänzen. Weit und breit keine Naturtalente, die mühelos Spitzenleistungen vollbringen. Die Lebensläufe bedeutender Persönlichkeiten würden in dieser Hinsicht häufig mystifiziert.

Der Neurologe Daniel Levitin von der McGill University in Montreal bestätigt diese Sicht: "In study after study, of composers, basketball players, fiction writers, ice skaters, concert pianists, chess players, master criminals, and what have you, this number comes up again and again. Ten thousand hours is the equivalent to roughly three hours per day, or twenty hours per week, of practice over ten years. Of course, this doesn’t address why some people don’t seem to get anywhere when they practice, and why some people get more out of their practice sessions than others."

Talent = 10 000 Stunden + Glück!?

Verglichen mit Malcolm Gladwells "Überflieger: Warum manche Menschen erfolgreich sind – und andere nicht" nähert sich Siefer dem Thema mit weitaus größerer Vorsicht. Während Gladwell Geschichten erzählt, belegt Siefer jede seiner Aussagen mit Untersuchungen. Darunter befinden sich jedoch auch die viel zitierten klassischen Studien, die jeder Psychologiestudent bereits kennt.