Gerade einmal 1,3 Lichtsekunden entfernt von der Erde ist der Mond. Die 384 000 Kilometer sind in astronomischen Maßstäben ein Katzensprung, aber weiter sind Menschen bislang nicht ins All vorgedrungen. In diesem Buch, einer Sonderausgabe des gleichnamigen Werks von 2009, erzählen Ralf Jaumann und Ulrich Köhler die Geschichte der bemannten Mondflüge, die mittlerweile mehr als 40 Jahre zurückliegen.

Der Text umreißt zunächst die Erkundung des Monds vor der Raumzeitära. Kurz blicken die Autoren zurück in die Antike, zu den alten Griechen, die erstmals den Abstand zum Mond messen konnten. Sodann befassen sie sich mit dem Astronomen Galileo Galilei (1564-1642), der mit seinem Fernrohr erstmals Krater ausmachen konnte. Detaillierte Mondkarten wurden später mit leistungsfähigeren Teleskopen erstellt, die jedoch noch nicht genau genug waren, um mögliche Plätze für eine Mondlandung zu identifizieren. Ebenso war die Oberflächenbeschaffenheit des Erdtrabanten bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts unbekannt – würde eine Mondsonde in meterhohem Staub versinken? Dieser Unklarheiten wegen startete die Nasa zunächst mehrere automatische Raumsonden, die Bilder von dem Himmelskörper aus nächster Nähe schossen, seine systematische Kartierung ermöglichten und erstmals die Rückseite des Monds abbildeten, die von der Erde aus unsichtbar ist.

Im Jahr 1961 gab der damalige US-Präsident John F. Kennedy das Ziel vor, bis zum Ende des Jahrzehnts eine bemannte Mondmission durchzuführen. Der Hauptteil des Buchs widmet sich der Umsetzung dieses Plans im Rahmen des Apollo-Programms. Aus heutiger Sicht erscheint es beinahe unglaublich, wie zügig und ambitioniert das Großprojekt umgesetzt wurde. Tatsächlich schafften es die Amerikaner, am 21. Juli 1969 die erste bemannte Landung auf dem Himmelskörper durchzuführen; an jenem Tag setzte Astronaut Neil Armstrong seinen Fuß in den Mondstaub. In den Jahren danach folgten sechs weitere Landungen.

Neben den technischen Details der Raumflüge erläutern die Autoren vor allem, welche Erkenntnisse sich aus den Gesteinsproben gewinnen ließen, die die Astronauten vom Erdtrabanten zurück brachten. Deren Untersuchung ergab unter anderem, dass der Mond in der Frühphase des Sonnensystems "geologisch" aktiv war. Fesselnd beschreiben die Autoren, wie Forscher die chemische Zusammensetzung des Mondgesteins analysierten, und wie die Missionen jeweils so geplant wurden, dass sie die brennendsten Fragen der Wissenschaftler beantworten konnten.

Leider schaffen es Jaumann und Köhler nicht, diese detaillierten Darstellungen in ein größeres Bild einzubetten. Ein Überblickskapitel darüber, wie der Mond entstanden ist, hätte dem Buch gut getan. Vielleicht haben die Autoren bewusst darauf verzichtet, weil es ihrer Intention widersprochen hätte: Die Erkenntnisse aus den Apollo-Missionen reichten eben nicht aus, um die Geschichte des Erdtrabanten umfassend aufzuklären. Die Flüge waren ein wissenschaftlicher Erfolg – allerdings nur, wenn man nicht nach ihrem Preis fragt. Hätte man den gleichen Geldbetrag in reine Forschungsprojekte gesteckt, wäre wissenschaftlich wahrscheinlich viel mehr erreicht worden als mit dem politisch motivierten Apollo-Programm.

Über große Passagen hinweg glorifiziert das Buch bemannte Missionen ins All. Beim Lesen wird man deshalb das Gefühl nicht los, dass die Autoren nicht nur über Mondforschung informieren wollen, sondern ihr Werk auch als subtiles Plädoyer für die kostspielige bemannte Raumfahrt angelegt haben. Das wiederum ist verständlich, denn als Herausgeber fungiert das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt. Nicht schlecht staunt der Leser über die Behauptung, dass es bestimmt bald wieder Mondmissionen geben werde, wobei als frühestes Datum dafür 2019 genannt wird.

Die starke Fokussierung auf die amerikanischen Mondmissionen hat zur Folge, dass viele andere Aspekte der Mondforschung deutlich zu kurz kommen. So werden die unbemannten Missionen der Nach-Apollo-Zeit nur stiefmütterlich behandelt. Zudem fehlt der naheliegende Vergleich unseres Monds mit anderen Trabanten im Sonnensystem. Und schließlich wirkt das Kapitel am Ende des Buchs, das sich der Wechselwirkung zwischen Erde und Mond widmet, fast wie ein Pflichtteil. Das alles widerspricht dem sehr allgemein gehaltenen Buchtitel, der suggeriert, dass der Leser umfassend über den Erdbegleiter informiert werde. Auch ist das Werk offenbar nicht besonders sorgfältig lektoriert worden: Einige Textabschnitte wiederholen sich inhaltlich, und bei vielen Bildern fehlt die Größenskala. Ebenso wurde das Vorwort von 2009 unverändert übernommen.

Man kann das Werk aber auch ganz anders lesen – nämlich überhaupt nicht. Das erlaubt es, die Aufmerksamkeit ganz den hochwertigen, großformatigen Fotos im Buch zu widmen, die bei den Apollo-Missionen aufgenommen wurden.