Vor dem Hintergrund immer neuer Meldungen von klimatischen Katastrophen, Hochwasser- und Dürreperioden über den Treibhauseffekt bis zum Ozonloch stellt sich die Frage, ob die erschreckenden Klimaereignisse unserer Zeit tatsächlich Ausdruck einer klimatischen Veränderung sind oder nur auf Grund der dichter gewordenen Medienberichterstattung von uns verstärkt wahrgenommen werden. Für eine verlässliche Analyse ist das Wissen über die Klimaereignisse der Vergangenheit von essenzieller Bedeutung. Rüdiger Glaser schließt mit seinem Buch eine Wissenslücke und stellt erstmals für Mitteleuropa einen umfangreichen Überblick über das Klimageschehen der vergangenen 1000 Jahre vor. Im ersten Teil seines Buches werden Grundlagen, Quellen und Methoden der historischen Klimaforschung vorgestellt. Dieser Zweig der Klimatologie befasst sich mit der Rekonstruktion klimatischer Abläufe vor Beginn der amtlich standardisierten Klimamessung und stellt somit eine Schnittstelle zwischen den Geschichts- und den Naturwissenschaften dar. Neben direkten Klimahinweisen bedient sie sich so genannter Proxydaten. Das sind beispielsweise Baumringe oder Ertragsangaben von Wein, Getreide und Heu. Im zweiten Teil des Buches beschreibt Glaser den Verlauf von Niederschlag und Temperatur seit dem Jahr 1000. Auf einzelne Themenkreise wie Stürme, Überschwemmungen und Gewitter geht er dabei gesondert ein. Wenngleich es sich bei dem Buch um ein Fachbuch handelt, so ist es dennoch für den interessierten Laien geeignet und verständlich. Besonders eindrucksvoll sind Passagen über die Landverluste an der Nordfriesischen Küste durch Sturmfluten und Glasers Anmerkungen über den „Mythos“ Klima. So galten extreme Wetterlagen in der Vergangenheit, aber auch noch heute, häufig als Ausdruck göttlichen Zorns, und ein Hagelunwetter konnte als Konsequenz Hexenverbrennungen nach sich ziehen. Je weiter man liest, desto deutlicher wird, wie viel zeitaufwendige und sorgfältige Recherche der Entstehung des Buches vorausgegangen ist. Zahlreiche Abbildungen und Originalzitate aus verschiedensten Quellen machen die Lektüre interessant und abwechslungsreich. Da Glasers Untersuchungen einen wichtigen Schritt zum weiteren Verständnis unserer Umwelt darstellen, ist sein Buch nachdrücklich zu empfehlen.