Der Umgang mit Psychiatriepatienten ist eine große Herausforderung. Sie sollten als Menschen gesehen und nicht auf ihre Störung reduziert werden, sagt die norwegische Psychologin Arnhild Lauveng. Sie selbst verbrachte lange Jahre in psychiatrischen Einrichtungen und reflektiert in "Nutzlos wie eine Rose" nun ihr Leben mit der Krankheit. Dabei beschreibt sie Begegnungen mit Pflegern und Mitpatienten sowie Situationen, die ihr besonders im Gedächtnis geblieben sind. Das Buch richtet sich vor allem an jene, die täglich Entscheidungen für Patienten treffen und für deren Wohlergehen verantwortlich sind.

Lauveng wurde im Alter von 17 Jahren mit einer paranoiden Schizophrenie in die Psychiatrie eingewiesen. Sie hörte Stimmen, aß tagelang nichts und sah Wölfe über den Flur rennen. Nach einigen Rückfällen konnte sie mit Ende 20 endgültig entlassen werden und ihren lang gehegten Traum verwirklichen: ein Psychologiestudium. Auf Grund ihrer Erfahrungen hat sie Verständnis für beide Seiten – sowohl die Patienten als auch die Therapeuten. Bei schwer wiegenden Störungen wie einer Schizophrenie, schreibt Lauveng, seien Letztere oft mit ihrem Latein am Ende.

Freundlichkeit, Respekt und Aufrichtigkeit im Umgang mit den psychisch Kranken seien Grundvoraussetzungen für eine Heilbehandlung. Lauveng kritisiert "kleinkarierte" Vorschriften, die den Patienten das Leben schwer machten, besonders wenn das Pflegepersonal gegen alle Vernunft darauf beharre.

So schildert sie das Beispiel einer Klinik, in der es verboten war, zwei Brotbeläge gleichzeitig oder eine Scheibe Wurst zu viel zu nehmen. "Wer sich nicht an die Regeln hielt, musste den Tisch verlassen, und ging man dann nicht freiwillig, wurde man mit Gewalt vom Tisch entfernt." Patienten würden oft nicht ernst genommen und sogar bevormundet: "Ich musste [als Patientin] viel von meiner Eigenständigkeit abgeben, von meiner Integrität und manchmal von meiner Würde."

Das Buch stimmt nachdenklich – umso mehr, da jedes Kapitel mit einem selbst verfassten Gedicht beginnt. Doch so ergreifend der Stil, so unstrukturiert ist leider der Aufbau. Häufige Gedankensprünge erschweren die Lektüre, und es lässt sich kaum eine inhatliche Gliederung erkennen. Der Zusammenhang zwischen Kapitelinhalten und -überschriften erschließt sich häufig nicht. Zudem hätte man neben dem Plädoyer für mehr Menschlichkeit gern mehr über die persönliche Krankengeschichte der Autorin erfahren.

Lauvengs Fazit: Der Weg aus der psychischen Krankheit bestehe aus vielen kleinen Schritten, "vielen Tagen, die gelebt werden müssen", und das Leben setze sich "aus Augenblicken zusammen". Möglicherweise ist die fragmentierte Erzählweise ein Abbild davon; insofern unterstreicht sie die Botschaft des Buchs. Wer sich mit dem Mangel an Übersichtlichkeit arrangieren kann, gewinnt einen Einblick in die Denkweise einer Schizophreniepatientin und bekommt zahlreiche Anregungen zum Nachdenken.