Zum Thema "Burnout" ist gerade in der letzten Zeit sehr viel Literatur erschienen, ja, man wird förmlich davon erschlagen. Gerade deshalb ist es umso wichtiger, auf wirklich gute Literatur zurückgreifen zu können. Das Buch von Dagmar Ruhwandl "Top im Job – ohne Burnout durchs Leben" gehört dazu.

Ruhwandl beschreibt in ihrem Buch, wie die berufliche Tätigkeit heute stärker denn je zum Lebensinhalt geworden ist. Beispielsweise aus Angst um den Job ist man hoch motiviert und euphorisch zugleich; das Engagement im Beruf lässt alles andere im Schatten stehen. Dabei bemerkt man leider meistens erst viel zu spät, dass die eigenen Grenzen sowohl physisch als auch psychisch überschritten werden. Erste warnende Symptome wie körperliche, geistige und emotionale Erschöpfung, Müdigkeit oder Konzentrationsstörungen werden nicht immer ernst genommen – und wenn, dann ist es oft zu spät.

Früher brachte man Burnout meist mit helfenden Berufen in Verbindung, doch heute ist das anders: Man findet ihn in jeder Berufsgruppe und gerade auch in Positionen mit hoher Verantwortung. Aber nicht immer nur sind die vorhandenen Arbeitsbedingungen Ursache, sondern ebenso das weitere Lebensumfeld der Grund für die zunehmenden Belastungen, meint die Autorin.

In ihrem Buch gibt die Fachärztin für Psychiatrie sowie Psychotherapie und Burnout-Spezialistin in sieben Kapiteln und einem Nachwort unterstützende Vorschläge und Maßnahmen, wie sich die Belastungen im Alltag bewältigen lassen, ohne dass es zu ernsthaften Erschöpfungen kommt. Ihren ansprechenden lockeren Schreibstil untermauert sie durch viele kleine Skizzen und Zitate.

Bin ich ausgebrannt? Unter dieser provozierender Überschrift kann sich der Leser testen, ob er schon burnoutgefährdet ist. Ruhwandl beschreibt drei Phasen, die ähnlich einer Ampel funktionieren: Die erste Phase nennt sie die emotionale Erschöpfung, während der die Ampel noch auf Grün steht. Die betreffende Person sollte nun die ersten Alarmsignale, die in Form von ersten Frustrationen und einem Auslaugungsgefühlen auftreten, ernst nehmen. Auf sie folgt die gelbe oder Depersonalisationsphase: Sie prägen Gereiztheit, Gleichgültigkeit und auch Kontaktvermeidung. Im dritten Abschnitt, in dem die Ampel auf rot umschaltet und den Ruhwandl Leistungseinschränkung nennt, tritt schließlich der Verlust von Selbstvertrauen, Kompetenz- und Effizienzgefühlen und eine negative Selbsteinschätzung auf. In der Folge zieht sich der Betroffene aus allen Bereichen zurück – nicht nur aus beruflichen, sondern ebenfalls aus privaten. Für eine erste Selbsteinschätzung bietet Ruhwandl einen kleinen Test samt Auswertung an.

Zum Schutz vor Burnout beschreibt sie drei Hilfsmöglichkeiten: In erster Linie sind Regenerationsphasen wichtig, Aufgaben sollten auch delegiert werden und Grenzen erkannt werden können. Am ausführlichsten beschäftigt sich die Autorin jedoch mit den Möglichkeiten, wie man dem Phänomen überhaupt aus dem Wege gehen kann, bevor es auftritt. Sehr praxisbezogen schildert sie in fünf Abschnitten Strategien, die als Schutz ergreifen sollte. Neben der Rückschau auf bereits Geschaffenes nennt sie grundsätzliche Prinzipien, wie zwischen Anspannung und Entspannung zu wechseln oder Arbeitsanforderungen so anzupassen, dass man sich nicht überlastet. Sie nennt Möglichkeiten, Überforderungen zu reduzieren und Stressoren abzubauen, verweist aber ebenso darauf, Unterforderung zu vermeiden und sich selbst stärker zu motivieren. Aspekte wie ethische Werte, Geld oder Auszeiten im Beruf sollten zudem nicht unterschätzt werden.

Ihre im Buch vorgestellten Übungen fordern zum Mitmachen auf. Sicherlich werden nicht alle theoretischen und praktischen Erkenntnisse zum Thema "Burnout" genannt. Doch dieses Buch ist sehr praxisnah und daher eine erfreuliche wie einfache Lektüre zu diesem doch so heiklen Thema.