Wer einmal das Treiben am winterlichen Vogelfutterhäuschen beobachtet oder im Frühjahr dem allmorgendlichen Konzert gelauscht hat, dem ist es längst klar: Unsere Gärten, Parks und Wälder werden nicht nur von Spatzen und Meisen bevölkert. Nur wie soll man sich als Anfänger dem Thema „Vogelbestimmung“ nähern? Peter Singer versucht nun ornithologischen Neulingen die Welt der Avifauna näher zu bringen. Hierfür bringt er verschiedene Ansätze zusammen: Fotos unterstützen die „normalen“ Sehgewohnheiten und stellen die Tiere in ihrem natürlichen Umfeld dar. Einfache Größenvergleiche (größer/kleiner als Amsel, Rabenkrähe, Stockente,…) helfen bei der Einordnung genauso wie die Farbcodierung, bei der verschiedene Familien in Großgruppen zusammengefasst werden. Auch der „Familienschlüssel“ bietet Möglichkeiten, die Gattungen schnell zu kategorisieren. Der Vogelführer beinhaltet anfangs eine knappe, aber gute Einführung in den Gebrauch des Buches. Wichtige äußerliche Gestaltmerkmale der Vögel und die Bestimmung durch Gesänge und Rufe stehen hier im Vordergrund. Im Hauptteil dienen die Stichworte „Typisch“, „Merkmale, Ähnliche Arten“, „Stimme“, „Vorkommen“, „Fortpflanzung“ und „Nahrung“ dazu, jede Art genau zu bestimmen. Neben den Fotos kommen hier auch fast 400 Verbreitungskarten zu Einsatz. Insgesamt handelt es sich um ein lohnendes Buch für Einsteiger. Singer stellt alle regelmäßig in Europa auftretenden Brut- und Gastvogelarten vor. Dabei ist das behandelte Gebiet sehr groß. Es geht letztlich sogar über Europa hinaus: Es reicht vom Nordkap bis in die Sahara und von Island bis in den Nahen Osten inklusive der angrenzenden Meeresregionen. Somit eignet sich der Vogelführer hervorragend für den Urlaub, zumal alle Arten neben den wissenschaftlichen lateinischen Namen auch mit englischen und französischen Trivialnamen verzeichnet sind. Allein die 1400 Fotos, so gut sie auch sind, bieten nicht die Aussagekraft von den in Fachkreisen bewährten Zeichnungen. Fotos zeigen immer nur Individuen — mit all ihren individuellen Abweichungen vom Durchschnitt. Und unterschiedliches Licht birgt stets die Gefahr der Verfremdung — Abendsonne, Mittagslicht, Sonnenschein und bedeckter Himmel geben jeweils dem Gefieder eine andere Nuance. So könnten beim Anfänger immer noch leise Zweifel bleiben, ob der beobachtete Vogel auch wirklich der vermuteten Art angehört. Dennoch: bei dem Preis eine schöne Sache.