Wie kam der Homo sapiens zur Sprache? Und welchen Zweck erfüllte sie, als unsere Urahnen die ersten Wörter austauschten? Für die amerikanische Anthropologin und Neurowissenschaftlerin Dean Falk von der Florida State University liegt die Antwort auf der Hand: Der aufrechte Gang brachte den Nachteil mit sich, dass der Nachwuchs, anders als etwa bei Menschenaffen, nicht mehr auf dem Rücken der Mutter getragen werden konnte. Wollte die Frau nun Nahrung sammeln oder anderen Beschäftigungen nachgehen, so musste sie ihren Säugling ablegen, um die Hände frei zu bekommen. Und damit war sie gezwungen, eine Kinderbetreuung zu organisieren – oder aus der Ferne beruhigend auf das Kleine einzureden.

Wahrscheinlich, so Falk, lösten frühe Hominidenmütter diese Aufgabe, indem sie beruhigende, dem Kind vertraute Laute von sich gaben und so mit ihm in Verbindung blieben. Entsprechend vermutet sie die Anfänge des menschlichen Sprechens in der Ammensprache. Nach Auffassung der Anthropologin besitze diese nicht nur universelle Kennzeichen wie hohe Tonlage, Wortwiederholungen und Doppelsilben sowie kurze und einfache Satzkonstruktionen. Sie helfe den Kleinen auch, die Sprache der Großen überhaupt zu lernen.

Nichtmenschliche Primaten können auf diese Art der Verständigung verzichten, berichtet Falk: Affenmamas tragen ihren Nachwuchs nämlich ständig mit sich herum und geben ihn eher selten in fremde Obhut. Die Neurowissenschaftlerin stützt ihre These auf zahlreiche weitere Beobachtungen und Befunde, zum Beispiel aus der Hirnforschung: Das simple Geplapper zwischen Mutter und Kind entspringt einem Kortexareal, das bereits früh in der Entwicklungsgeschichte des Homo sapiens entstanden ist. Dass die Wiege der Sprache tatsächlich im Ammengebrabbel bestand, lässt sich damit jedoch nicht zweifelsfrei belegen, und so wundert es nicht, dass Falks These unter ihren Kollegen umstritten ist.

Schon der Einstieg des Buchs – die Geschichte des Schimpansen Ham, den die US-amerikanische Raumfahrtbehörde NASA 1961 ins Weltall schickte, um die Auswirkungen der Schwerelosigkeit auf ein dem Menschen möglichst nah verwandtes Lebewesen zu testen – ist arg weit hergeholt. Und auf den folgenden Seiten wird es nicht besser: Die Anthropologin plaudert über Affenmütter und ihre Babys, kurzweilig zwar, doch ohne dass sie auf den Punkt käme. Zwischen den durchaus amüsanten Anekdoten muss man die wissenschaftlichen Fakten daher streckenweise mit der Lupe suchen. So verkauft Falk eine spannende Theorie letztlich unter Wert.