In der Wissenschaft dreht sich alles um Fakten und Beweise, in den Religionen stattdessen um Glauben, Ethik und Werte. Dennoch gehe die Erforschung des Klimawandels nicht nur die Wissenschaft etwas an, sagt Katharine Hayhoe. Sie ist Leiterin des Climate Science Center der Texas Tech University – und Christin. Trotz ihrer Faszination für ihren Beruf weiß sie genau, "where the science stops": Wissenschaft kann Fakten über den Klimawandel liefern und Aussagen über dessen mögliche Folgen treffen. Aber sie kann uns nicht sagen, was genau wir mit diesem Wissen tun sollen. Um die richtigen Entscheidungen zu treffen, braucht es mehr.

In dieser Folge der animierten Kurzfilmserie Global Weirding argumentiert die Klimaforscherin, dass erst ethische und moralische Werte den Menschen zu einem angemessenen Umgang mit Ursachen und Folgen des Klimawandels verhelfen. Das wiederum erscheine schon deshalb angemessen, weil die Folgen des Klimawandels vor allem die Armen und damit jene treffen, die am wenigsten zu seinen Ursachen beitragen. Letztlich, so Hayhoe, gehen Fragen der globalen Erwärmung die etwa 80 Prozent der Weltbevölkerung, die einer Religion angehören, also ebenso an wie die übrigen 20 Prozent, deren ethische Werte auf anderen Grundlagen basieren. Folgerichtig zitiert die talentierte Presenterin in diesem Video auch Vertreter von Religionen weltweit, die den Klimawandel als Herausforderung für gläubige Menschen begreifen.

Anders gesagt: Auch wer das verfügbare wissenschaftliche Wissen über den Klimawandel ignoriert oder schlicht leugnet, hat noch immer die Pflicht, die ethischen Konsequenzen seiner Haltung in den Blick zu nehmen.

In ihrer Serie zum Phänomen des Global Warming klärt die Klimaforscherin alle 14 Tage unvoreingenommen und neugierig eine der verzwickten oder absurden, aber weit verbreiteten Fragen auf, die während ihrer öffentlichen Vorträge in den USA immer wieder an sie heran getragen werden. So leistet sie einen unterhaltsamen Beitrag zur Entspannung einer Diskussion, die von gewerbsmäßigen Klimaleugnern gern verschärft wird. Ihr Beitrag zu den Religionen fand zwischen Wintersonnenwende und Weihnachten 2016 einen angemessenen Platz im Jahreslauf.