Wissenschaft ist Wagnis. Sie zu betreiben bedarf in mehrerlei Hinsicht einer gehörigen Portion Mut. Eine Karriere in der Forschung überhaupt nur anzupeilen stellt bereits ein Risiko für junge Menschen dar, die nach dem Studium auch eine Karriere in Wirtschaft oder Verwaltung verfolgen könnten. In der Wissenschaft müssen sie sich erst einmal über Jahre von befristetem Vertrag zu befristetem Vertrag hangeln oder sogar selbst finanzieren, bis sie endlich – wenn es denn glückt – eine feste Stelle an einer Hochschule oder anderen Einrichtung ergattern. Für sich eine Professur als Karriereziel zu reklamieren, gilt unter Doktoranden und Postdocs vieler Disziplinen geradezu als vermessen.

Darüber hinaus muss, wer Neuland in seinem Fach abstecken und betreten will, ausgetretene Pfade verlassen. Auf solchen jedoch läuft es sich bequemer. Nachwuchsforscher, die unorthodoxe Methoden entwickeln oder Hypothesen verfolgen, die quer zum Mainstream liegen, werden schief angesehen, bisweilen geschnitten und häufig benachteiligt: kein Stipendium, keine Vortragseinladungen, keine Zitationen. Dabei gibt es kaum echte Innovation ohne den Ausbruch aus der Herde.

Um junge Forschende zu ermuntern, unbeirrt und gegen Widerstände den eigenen Weg zu gehen, hat die baden-württembergische Wissenschaftsministerin Theresia Bauer 2016 einen "Preis für mutige Wissenschaft" ausgelobt, der heute erstmals in Stuttgart verliehen wird – in Kooperation mit Spektrum der Wissenschaft.

Die Jury, der ich angehöre, teilte den Preis in diesem Jahr. Er geht zu gleichen Teilen an den Physiker Erik Schäffer, der in äußerster Präzision die Mechanik innerhalb von Pflanzenzellen erforscht, sowie an den Architekten Ferdinand Ludwig, der Gebäude aus lebenden Bäumen konstruiert und das Fachgebiet Baubotanik mit begründet hat. Die ungewöhnlichen Werdegänge und erstaunlichen Arbeiten der beiden stellen wir anlässlich der Preisverleihung in zwei Porträts vor.