Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

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  • Da wir im Universum existieren, ist es dafür geeignet.

    01.09.2009, Paul-Gerhard Schank, Berlin
    Und da Einhörner und Feuer speiende Drachen in der Fantasie existieren, ist diese dafür geeignet.
    Und da Auferstehungen in Religionen geschehen, sind diese dafür geeignet.
    Und da dies alles in Sprachspielen existiert, ist dieses für das alles geeignet.

    Sorry, aber mir ging irgendwie der "semantische Gehalt" verloren. Kann mir jemand helfen, ihn wieder zu finden?

    WAS will uns das "anthropische Prinzip" denn nun sagen? Ich dachte, es gehe um Naturkonstanten und um Multiversen. Wo kommen die denn nun ins Spiel? Doch nicht bei einer einfachen (mir tautologisch erscheinenden) Aussage wie: "Wenn wir existieren, muss das Universum für unsere Existenz geeignet sein" bzw. "Da wir existieren, ist das Universum für unsere Existenz geeignet."

    Bitte nicht falsch verstehen, an der Logik von Christoph Pöppes Ausführungen sehe ich nichts Lächerliches, aber der Inhalt dessen, für den die logische Entfaltung oder Darlegung betrieben wurde, ist für mich im Augenblick unsichtbar.
    Antwort der Redaktion:
    Sie haben völlig Recht: Die logischen Fallstricke, die ich diskutiert habe, beziehen sich auf den trivialen Teil des anthropischen Prinzips. Die nichttrivialen Schlüsse aus der Aussage "Da wir existieren, muss das Universum für unsere Existenz geeignet (gewesen) sein" lauten, je nach Autor, zum Beispiel:

    – Dann müssen die Neigung der Erdachse und die Umlaufbahn der Erde in den letzten paar Milliarden Jahren einigermaßen stabil gewesen sein, sonst hätten die extremen Temperaturschwankungen jedes Leben zerstört, und es hätte immer wieder von vorne anfangen müssen.

    – Die Tatsache, dass alle Naturkonstanten so fein aufeinander abgestimmt zu sein scheinen (schon bei sehr geringen Abweichungen von den beobachteten Werten gäbe es nicht einmal mehr stabile Atome und Moleküle), ist zwar erstaunlich, aber erklärbar. Schon die schiere Tatsache, dass wir zur Beobachtung fähig sind, impliziert, dass wir in dem (theoretischen) Raum aller denkbaren Universen nicht irgendeinen zufälligen Platz haben, sondern einen sehr speziellen. Da dürfen wir uns nicht wundern, wenn das Universum, in dem wir leben, sehr speziell aussieht.

    – Variante: Dieser Raum aller denkbaren Universen ist nicht nur ein theoretisches Konstrukt, es gibt ihn tatsächlich. Wir stecken halt in einem der wenigen Ausnahmeuniversen, die für die Entstehung bewussten Lebens geeignet sind. Aber da uns die anderen Universen prinzipiell nicht zugänglich sind, ist das mit der tatsächlichen Existenz so eine Sache. Sie würde Occams Rasierer nicht standhalten.

    – Ein intelligentes Wesen (frühere Bezeichnung: Gott) muss dieses Universum mit den sorgfältig ausgewählten Naturkonstanten geschaffen haben, mit dem Ziel, dass wir entstehen (Intelligent Design).



    Gegen alle diese nichttrivialen Folgerungen kann man etwas einwenden, im Gegensatz zu der trivialen Aussage vom Anfang.



    Christoph Pöppe
  • Räumlicher Abstand - Antwort auf Thomas Stör

    01.09.2009, Klaus Hagemeyer, Leverkusen
    Ich habe keinen "vierdimensionalen Abstand" gemeint, sondern die "ganz normale" räumliche Entfernung der beiden Photonen zueinander. Und der räumliche Abstand zweier zueinander bewegter Punkte wird in deren Bezugssystemen auf Grund der relativistischen Längenkontraktion mit zunehmender Geschwindigkeit immer kürzer und ist (bleibt) bei Lichtgeschwindigkeit Null. D. h., die Photonen sehen keinen räumlichen Abstand zueinander und befinden sich am selben Punkt. Aus ihrer Sicht ist das gesamte Universum in ihrer Bewegungsrichtung auf Null zusammengeschrumpft, sie sehen sozusagen eine Raumdimension weniger als wir. (Keine Ahnung, wie sie die anderen beiden sehen, weiß das jemand?)
  • Die unendliche Kugel

    01.09.2009, Eckhart Triebel, Berlin
    Auf S. 71 heißt es: "Heutige Kosmologen gehen aber noch einen Schritt weiter. Sie behaupten nicht nur, dass es keinen auf irgendeine Weise ausgezeichneten Mittelpunkt gebe, sondern dass überall das Zentrum sei."

    Dieses Zitat erinnert mich an zwei Aussagen aus dem "Buch der 24 Philosophen" (Liber XXIV philosophorum) vom Ende des 12. Jahrhunderts. Dort lautet die 2. Definition:
    "Deus est sphaera infinita, cuius centrum est ubique, circumferentia nusquam." - "Gott, das ist die unendliche Kugel, deren Mittelpunkt überall und deren Umfang nirgends ist."

    Und als 18. Definition wird gegeben:
    "Deus est sphaera, cuius tot sunt circumferentiae, quot sunt puncta." - "Gott, das ist die Kugel, die so viele Umfänge wie Punkte hat."

    Ersetzt man nun Gott durch Universum oder Kosmos, hören sich diese Aussagen sehr modern an.
  • Vision und Konsortium

    01.09.2009, Stefan Eissing, Münster
    Die Vision, die zugrunde liegende Technik, die ökologische Verträglichkeit: Alles ist rund an dieser Idee. Auch die Emotionen spielen da mit. Endlich einmal eine Zukunftsvision, die auf Weiterentwicklung ausgerichtet ist, und keine Untergangsszenarien, bei denen wir uns in letzter Konsequenz die Kugel geben müssen, um den Planeten zu retten.

    Aber wann wurden Visionen schon mal von einem Konsortium realisiert? Hier stellt der Artikel die richtigen Fragen, denn die Realisierung von Desertec ist in erste Linie keine technische, sondern eine organisatorische Herausforderung.

    Ein Konsortium im Besitz der (fast) gesamtem Stromerzeugung in Europa wird zu einer politischen Macht, die anstelle von Steuern einfach den Strompreis erhöhen kann. Wem will man diese Macht in die Hand geben? Wohl niemandem.

    Es erscheint also sinnvoll, dieses Projekt aufzuteilen. Und in der Tat spricht nichts dagegen, Desertec durch mehrere Betreiber anzugehen: Die Sonnenkraftwerke stehen eh nicht alle an derselben Stelle, die Leitungen nach Europa sind mehrfach und unabhängig voneinander zu bauen.

    So kann auch hier gelenkter Wettbewerb entstehen, der immer schon zum Nutzen aller notwendig gewesen ist.
  • Wo bleibt China?

    01.09.2009, Richard Scheffenegger, Wien
    Desertec als Konzept ist ja bekanntermaßen bereits einige Jahre (Jahrzehnte) alt ...

    Nachdem es ein äquivalentes Konzept auch für Nordamerika gibt, stellt sich die Frage, warum China nicht ebenfalls derartige Technologien implementiert.

    Gerade China hätte - ähnlich wie die USA - sowohl die industrielle Basis als auch die geographischen Vorraussetzungen (Wüste Gobi, Hochebene von Tibet), und, was noch viel wichtiger erscheint, ein politisches System, das eine kurzfristige Implementierung derartiger Technologie massiv beschleunigt.

    Trotzdem gehen dort wöchentlich mehrere Kohle-Großkraftwerke ans Netz (soviel auch zur Unmöglichkeit, mehrere Gigawattstunden pro Jahr kontinuierlich zu implementieren).

    Wäre es global gesehen - und die rasante Aufholjagd zeigt dies ebenso deutlich wie der nunmehrige Spitzenplatz von Chinas CO2-Emissionen zeigen dies deutlich - kosteneffizienter, diese Technologie in und mit China aufzusetzen?

    Natürlich besteht dabei die realistische Gefahr - wie dies ja auch schon beim Transrapid zu sehen war -, dass China ultimativ das Heft selbst in die Hand nimmt, und eine ausreichend gute Technologie unschlagbar preiswert auf den globalen Markt werfen wird.

    Jedoch, gerade in diesem Fall, wäre nicht ein massiver Verfall der Gestehungskosten für Solarrinnenkraftwerke mit thermischem Zwischenspeicher gerade das beste, was der Erde widerfahren kann?

    Solange einige wenige, ausgesprochen große und profitorientierte Konzerne versuchen, diesen Kuchen unter Ausschluß möglichst aller anderen unter sich aufzuteilen, wird aus diesem Konzept a) weder rasch noch b) kostengünstig etwas werden.

    Desertec sollte meiner Meinung nach entsprechend dem Open-Source-Konzept entsprechend die Kernkomponenten entwickeln und frei an jeden Interessierten lizenzieren.

    Anders ist keine rasche Umsetzung, vor allem nicht in wenig entwickelten Regionen, möglich.

    Übrigens liegen auch viele ehemalige Teilrepubliken Russlands in Regionen, wo ausreichend Sonneneinstrahlung, extreme niedriges Bruttoinlandsprodukt und mehr als genug anderweitig nicht nutzbarer Boden zusammenfallen (zum Beispiel der Ex-Aralsee, dessen versalzener und chemikalienverseuchter ehemaliger Seeboden im Megatonnen-Maßstab jedes Jahr vom Winde verweht wird).

    Abschließend bleibt auch mir nur noch zu bemerken, dass durch diese Großprojekte eine weitere massive Förderung der lokalen Energieproduktion durch alternative Quellen nicht zu kurz kommen sollte. Bevor jedoch irgendwo in ein Atom-, Öl- oder Kohlekraftwerk investiert wird, ist Desertec in jedem Fall vorzuziehen (Erdgaskraftwerke schließe ich explizit aus, da das Methanhydrat, das in den kommenden Jahrzehnten destabilisiert wird oder es bereits ist, dort in das gegenüber Methan weniger potente CO2 umgewandelt werden muss. Und um dieses Methan nicht sinnlos abzufackeln, braucht es einige zusätzliche Erdgaskraftwerke).
  • Es wird wie immer alles falsch laufen

    31.08.2009, T. Budgoust, Worms
    Was falsch laufen kann:
    - Die tatsächlichen Kosten werden ein Vielfaches von dem betragen, was uns jetzt vorgelogen wird.
    - Vorauszusehende Probleme und Nachteile werden uns verschwiegen.
    - Konzerne werden Subventionsbetrug in vielfacher Milliardenhöhe betreiben.
    - Die Macht der asozialen, kriminellen Energiekonzerne wird nicht zerschlagen, sondern betoniert. Bestehende Abhängigkeiten der Bürger werden lediglich leicht modifiziert, aber keinesfalls abgebaut.
    - Korrupte Politiker in Deutschland/Europa und in Afrika werden sich die Taschen und Konten füllen.
    - Die Bevölkerung in Afrika wird die Schäden und Nachteile haben, aber keine Vorteile.
    - Es wird zu einer Militarisierung kommen, um die Investitionen zu schützen.
    - Der technische Fortschritt wird verlangsamt werden, weil alle intelligenten Entwicklungen, die die Gewinne der Großkonzerne schmälern könnten, sabotiert werden, wie bisher auch.
    - Es werden die wichtigsten und einzig aussichtsreichen Zukunftsstrategien verhindert: Energie sparen und Energie dezentral erzeugen mit möglichst geringen ökologischen Schäden.
    - Jeder, der sein Großhirn bestimmungsgemäß verwendet, nämlich zum Denken und zum Lernen aus Erfahrung, muss solche und möglicherweise noch andere ungünstigen Konsequenzen aller Mammutprojekte voraussehen.
  • Expansion des Universums unmöglich

    31.08.2009, John Jobson, Wiesbaden
    Nach dem Spruch von Sherlock Holmes (alias Sir Arthur Conan Doyle): Wenn man das Unmögliche eliminiert hat, muss das, was übrig bleibt, egal wie unwahrscheinlich, die Wahrheit sein.
    Ich betrachte die vermeintliche Expansion des Universums, die seit 1998 zwangsläufig exponentiell "in alle Ewigkeit" sein müsste (d. h. die Hubble-Konstante ist wirklich eine Konstante), als unmöglich. Nicht nur, weil es dafür noch keine Naturgesetze gibt, sondern auch, weil die sogenannte "Dunkle Energie" auch exponentiell anwachsen müsste.
    Im Sinne von Sherlock Holmes, was übrig bleibt, sind die Photonen, die ihre Energie verlieren. Meinen Berechnungen nach, mit einer Halbwertzeit von ca. 677,8 / H Milliarden Jahren, wobei H der Hubble-Konstante in den üblichen Einheiten km / s / Mpc ausgedruckt wird.
  • Desertec kann mehrere Probleme gleichzeitig lösen

    31.08.2009, Wolfgang Lang, Nador/Marokko
    Die Diskussionen um Desertec gleiten leider schon in einem frühen Stadium in starre ideologische Fixierungen ab. Das ist schade.

    Zunächst einmal: Jeder, der sich an der Diskussion qualifiziert beteiligen möchte, sollte die hervorragende Studie von Herrn Czisch zumindest überflogen und die dortigen Schlussfolgerungen verstanden haben. Dann würde manche Diskussion rationaler verlaufen. (Über Gregor Czischs Pläne schrieb Gerhard Samulat bereits in der März-Ausgabe 2008 von Spektrum der Wissenschaft. Der Artikel findet sich auf S. 66 in dieser kostenfreien pdf-Datei, Anm. d. Red.)

    Ich will jetzt nicht auf technische Details eingehen, sondern nur kurz die meiner Meinung, nach wichtigsten Argumente für Desertec einmal zusammenstellen.

    1. Saubere und günstige regenerative Energie im Grund-, Mittel- und Spitzenlastbereich wird großräumig zur Verfügung gestellt.

    2. Durch das Supergrid in Gleichstromtechnik werden durch Ausgleichseffekte in Ost-West- und Nord-Süd-Richtung beim Verbrauch wie bei der Erzeugung regenerative Energien viel günstiger als heute. Das gilt auch für nichtsolare regenerative Energien.

    3. Die breite internationale Kooperation wird Konflikte entschärfen und jetzt noch als Krisengebiete bezeichnete Regionen stabilisieren.

    4. Nordafrika wird jetzt schon, beginnend in Marokko bis an den Golf, ein Problem bei der Stromversorgung bekommen und bei der Wasserversorgung. Beides wird die wirtschaftliche Entwicklung hemmen, zu Auswanderung, gesellschaftlicher Destabilisierung und als Folge zu Extremismus führen. Wenn es nicht gelingt für die Hunderte von Millionen junger arbeitssuchender Menschen in diesem Raum wirtschafltiche Perspektiven zu entwickeln, dann werden wir von dort noch wesentlich größere Probleme nach Europa importiert bekommen, als wir uns jetzt vorstellen können.

    Desertec hat Antworten auf diese Probleme. Es produziert umweltverträglichen Strom in der Region, kann zugleich durch Meerwasserentsalzung Trinkwasser und Nutzwasser herstellen und es schafft Arbeit in der Region.

    Außerdem wird die erforderliche Zusammenarbeit lokale Konflikte langfristig entschärfen.

    5. Last but not least ein sehr wichtiger Punkt, der meines Erachtens viel zu kurz kommt:
    Wenn mit Desertec kein sauberer Strom in der Region Nordafrika und mittlerer Osten produziert wird, dann werden diese Länder Kernkraftwerke bauen. In Marokko z. B. sind derartige Planungen, durch Frankreich und die EdF vorangetrieben, im Gange. Steht aber in dieser Region von Marokko bis zum Golf aus Mangel an Alternativen erst einmal eine große Zahl an Kernkraftwerken, wird Europa nicht mehr ruhig schlafen können. Und die Diskussion um terroristische Anschläge auf Desertec-Anlagen erübrigt sich oder wird absurd.

    Desertec ist eine große Chance für den Raum Europa-Nordafrika-Mittlerer Osten. Die Argumente, die dagegen aufgefahren werden, sind sehr oft national(istisch). Besser regenerative Energien in Deutschland erzeugen als im Ausland. In einer globalisierten Welt mit offenen Grenzen sollte diese Haltung aus dem 18. und 19. Jahrhundert ad acta gelegt werden. Es gibt keine Alternative zu Kooperation und Austausch.
  • Die Verantwortung des Ichs

    31.08.2009, Dr. J. Krebs, Starnberg
    Die Auffassung Prof. Singers, der Mensch sei für sein Tun verantwortlich, auch wenn er darüber nicht frei entscheiden kann, ist für mich nicht nachvollziehbar. Ohne Handlungsfreiheit wäre „Verantwortung“ ein völlig inhaltsleerer Begriff. Dann bräuchte man im Strafrecht auch nicht darüber diskutieren, ob ein Täter zurechnungsfähig war oder nicht – es wäre ja in jedem Fall sein „Ich“, das die Tat begangen hat.
    Die Konsequenz dieses konsequent naturalistischen Denkens ist m. E. nach eine ganz andere: Wenn die Handlungen eines Individuums letztendlich determiniert sind, dann ist es auch die (gesellschaftliche) Reaktion auf diese Handlungen. Wenn also der Täter nicht anders kann, als die Tat zu begehen, dann kann die Gesellschaft auch nicht anders, als ihn dafür zu bestrafen. Dann ist unser Wille nur ein „Epiphänomen“ unseres physischen Verhaltens; es ist dann ganz egal, was wir wollen, es kommt sowieso alles, wie es kommen muss. Diese Haltung führt geradewegs in einen philosophischen Fatalismus.

    Was uns die Hirnforscher hier gerne als eine revolutionäre Erkenntnis ihres Fachgebiets verkaufen, ist im Grunde eine triviale Folgerung aus der Geschlossenheit des naturwissenschaftlichen Weltbildes: Die Physik – und damit die Beziehung von Ursache und Wirkung – gilt eben auch in unserem Gehirn. Was uns Menschen auszeichnet, ist die Vielzahl der komplexen Handlungsoptionen, die uns i.A. zur Verfügung stehen. Wenn wir uns dann aber in einer konkreten Situation für eine dieser Optionen entscheiden, dann hat das auch irgendwelche Gründe – ob sie uns nun bewusst sind oder nicht. Deshalb ist Willensfreiheit weder auf der materiellen noch auf der psychischen Ebene wirklich fassbar und infolgedessen auch nicht nachweisbar.

    Trotzdem ist es richtig, die Willensfreiheit als ein soziales Konstrukt beizubehalten. Es ist ein letztlich ein philosophisch–ontologischer Begriff, der untrennbar zu unserer Selbstwahrnehmung als autonomes „Subjekt“ gehört, und als solcher steht er sozusagen per definitionem außerhalb einer wissenschaftlichen Erfassung, die sich auf die „objektive“ Realität konzentriert. Ohne dieses Konstrukt aber kann die menschliche Gesellschaft nicht funktionieren – und die Hirnforscher sollten sich vielleicht einmal bewusst machen, dass auch sie sich in ihrer Forschertätigkeit zwangsläufig als autonome Subjekte erfahren.
  • Mukundis Krone ist schon länger bekannt

    31.08.2009, Werner Gubler, Fällanden (Schweiz)
    Mark Thomas verwendet in seinem Artikel "Self-surrounding tiles" (http://home.flash.net/~markthom/html/self-surrounding_tiles.html) eine Form, die er "crown" nennt und die mit Mukundis Krone identisch ist.
    Dabei heißt ein Pflasterstein "self-surrounding", wenn man ihn mit Kopien seiner selbst lückenlos "umringen" kann – aber nur endlich oft (siehe "Heesch's problem", http://en.wikipedia.org/wiki/Heesch%27s_problem). Da die "Krone", wie in dem Artikel dargestellt, sogar den ganzen Raum lückenlos füllt, und das auf die verschiedensten Arten, ist sie nicht in diesem sehr speziellen Sinn "self-surrounding".
  • Große Risiken

    31.08.2009, Fritz Kronberg, Rondeshagen
    So gut sich das Konzept auf den ersten Blick anhört, ich halte die erforderlichen Investitionen für keine gute Anlage. Das größte und entscheidende Risiko liegt in der politischen Instabilität der Region und der zu großen Teilen mittelalterlichen Mentalität ihrer Bewohner.

    Eine empfindliche wirtschaftliche Abhängigkeit mit hohen finanziellen Aufwendungen zu schaffen ist auch keine sonderlich gute Strategie.

    Nebenbei bemerkt: Wenn entsprechend Kohlekraftwerke stillgelegt werden, könnte sich das Risiko gleichwohl lohnen, aber bei der inzwischen in Deutschland vorherrschenden Manie, irrationale Ängste für schlimmer zu halten, als klar auf der Hand liegende Gefahren, würde es wohl auf den endgültigen Ausstieg aus der Kernenergie hinauslaufen. Das aber hieße, einen eher harmlosen "Teufel" mit einem real gefährlichen Beelzebub auszutreiben. ...
  • Ziemliche Fehlbenennung

    31.08.2009, Prof. Dr. Arnold Oberschelp, Heikendorf
    In den beiden letzten Heften ist vom "kopernikanischen Prinzip" die Rede (August: "Umstrittene dunkle Energie" von Clifton und Ferreira, September: "Das Vermächtnis des Kopernikus" von Danielson). In dem Sinne, wie der Ausdruck dort gebraucht wird und angeblich üblich ist, handelt es sich aber um eine ziemliche Fehlbenennung.

    Kopernikus hat die Stellung der Erde dahingehend relativiert, dass er lehrte, die Erde sei nur ein Planet unter Planeten (insgesamt sechs). Er wollte statt der Erde die Sonne in das Zentrum der Welt setzen.

    Die Stellung der Erde im Zentrum der Welt mit dem Himmel darüber und der Hölle unten im Innern wurde durchaus als natürlich empfunden und die Entfernung der Erde aus dieser ausgezeichneten Position als Häresie. Im Prozess gegen Galilei konnte man die Berge auf dem Mond, die Phasen der Venus und die Jupitermonde schlecht leugnen. Es ging nur um die Bewegung der Erde, die Galilei widerrufen musste.

    Kopernikus hat keineswegs gesagt, dass die Sonne nur ein Stern unter Sternen sei. Diese Auffassung setzte sich erst später durch. Der Erste, der sie vertrat, war wohl Giordano Bruno, der wegen des Pantheismus, den er damit verband, auf dem Scheiterhaufen endete. Dass die Milchstraße nur eine Galaxie unter anderen ist, hat mit Kopernikus selbst gar nichts mehr zu tun.
  • 400 Milliarden Euro blenden alle Bedenken weg

    31.08.2009, Ralf Weinmann, Eschenburg
    Es ist normal und sicher auch gut, dass ein Großprojekt wie desertec kontrovers diskutiert wird und neben vielen Befürwortern auch seine Kritiker findet. Erstaunlich ist nur, dass die Kritiker bisher kaum zu Wort kamen.
    Wahrscheinlich hat es damit zu tun, dass es bei einem geplanten Investitionsvolumen von 400 Milliarden Euro sehr viele finanzielle Gewinner geben wird, die mit ihrem Geld sicher jede Studie und Prognose kaufen können.

    Jeder weiß aus der Vergangenheit, dass der Import von Energie mit einem politischen Risiko behaftet ist, vor allem dann, wenn der Anteil einen gewissen Prozentsatz übersteigt. Die Energieversorgung eines Staates aus externen Quellen birgt nun mal die Gefahr politischer Abhängigkeit und Erpressbarkeit.

    Ferner stellen die trans-mediterranen Verbindungen interessante Ziele für Terroristen dar, und dass einer der geplanten Standorte ausgerechnet im Gazastreifen liegt, macht die Sache keineswegs sicherer.

    Aber die Probleme werden auch hier auftauchen, vor allem da jetzt schon absehbar ist, dass die geplanten 400 Milliarden kaum mehr sind als eine immer wieder nach unten korrigierte grobe Schätzung. Und da im deutschen Bürokratendschungel die Genehmigung und der Bau von Überlandtrassen viele Jahre und manchmal Jahrzehnte in Anspruch nimmt, wird der Strom, wenn er denn wirklich mal kommt, erst mal an der Grenze warten müssen.

    Alles in allem bergen zu viele Bereiche noch viel zu viele Unwägbarkeiten und Risiken, doch die gigantische Summe von 400 Milliarden Euro blendet alle Bedenken weg.
  • Ist die Umfrage unprofessionell oder manipulativ?

    31.08.2009, Alexander Jung, Tübingen
    Die Antwort "Desertec ist genau das, was wir brauchen." impliziert doch, dass mit Desertec alle Energieprobleme gelöst sind, oder zumindest, dass es keine Alternative gibt.

    Was aber, wenn man wie ich meint, daß Desertec eine gute Sache ist, daß aber gleichzeitig andere regenerative Energiequellen entwickelt und gefördert werden müssen? Das kann man auch nicht ernsthaft als Mangel des Desertec-Konzeptes sehen. Welche Antwort soll ich also in dieser Umfrage wählen?

    Haben Sie die meiner gemäßigten Meinunge entsprechende, sozusagen "mittlere" Antwort mit Absicht weggelassen, um zu polarisieren?

    Auch wenn es schwerfällt, sollte der seriösere Teil der Presse den Verlockungen des Sensationalismus zu widerstehen versuchen.
  • Geothermie als Alternative?

    30.08.2009, Ephrim Khong, München
    Desertec ist, meiner Meinung nach, ein riesiger Fortschritt - vor allem auch, da das Projekt eine Kehrtwende in der Denkweise der großen Energiekonzerne wiederspiegelt. "Regenerative" Energien rücken mehr und mehr in den Fokus und werden als notwendige und mögliche Alternative anerkannt.

    Dass ein solches Projekt nicht ohne die entsprechende politische Unterstützung machbar ist, sollte klar sein. Abhängig sind wir heute von den Öl-, Gas- und Uran-exportierenden Ländern sowieso schon, so dass sich in dieser Hinsicht keine wirkliche Veränderung ergibt. Die Streuung über ganz Nordafrika wird wohl zumindest keine Verschlechterung darstellen.

    Neben Wind- und Sonnenenergie ist in den letzten Jahren das Potential der Geothermie leider etwas aus dem Blickfeld geraten. Als lokale, sichere, grundlastfähige und je nach Ausbau auch dezentrale Energiequelle wäre hier mit entsprechenden Forschungsmitteln noch viel mehr möglich. Wer einmal den Energiegehalt eines Kubikkilometers Granit bei 200 Grad Celsius gesehen hat, wird sicher zustimmen, dass sich massive öffentliche Forschung in diesem Bereich lohnen würde. Einen Spektrum-Artikel darüber wünsche ich mir schon seit längerem.