Statistik
Haben schöne Eltern mehr Töchter?
Die Öffentlichkeit wird oft mit zweifelhaften Nachrichten aus der Wissenschaft versorgt. Häufig basieren sie auf einer allenfalls marginalen statistischen Signifikanz - Grund genug, um genauer auf korrekte Bedingungen bei der Schätzung kleiner Effekte zu achten.
Allerdings wurde gezeigt, dass die statistische Analyse in Kanazawas Behauptungen fundamentale Schwächen aufweist. So begeht er in einigen seiner Untersuchungen den Fehler, bei der Schätzung eines kausalen Effekts abhängige Variablen als Kontrollparameter zu wählen. In einer weiteren Studie kommt es zu einem Problem mit mehrfachen (multiplen) Vergleichen. Diese handwerklichen Fehler (die gleich näher beleuchtet werden) führen zu irrigen Schlüssen. Kurz: Kanazawas Behauptungen sind statistisch nicht signifikant, die von ihm analysierten Muster können auch zufällig aufgetreten sein.
Wäre der Mangel an Signifikanz bei der Begutachtung aufgefallen, so wären seine Artikel vermutlich niemals erschienen. Der Umstand, dass sie erschienen sind und über Medien und Bücher große Bekanntheit erlangten, wirft die Frage auf: Was sollen wir von Forschungsergebnissen halten, die zwar faszinierend, aber eben statistisch nicht signifikant sind? Am einfachsten wäre es, sie zu ignorieren.
Schließlich kann jeder, der sich ein simples Statistikprogramm besorgt, öffentliche Datenbanken durchkämmen und Korrelationen herausfischen, um eine bestimmte Hypothese zu bestätigen. Das wäre jedoch zu vorschnell, denn auch nicht signifikante Ergebnisse können auf etwas hindeuten


Andrew Gelman lehrt am Department of Statistics sowie am Department of Political Science an der Columbia University, New York.
David Weakliem unterrichtet am Department of Sociology, University of Connecticut.
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1. Schon Darwin hat sich mit solchen Fragen beschäftigt
25.01.2010, Dr. Georg Stürmer2. Unsicherheiten im Umgang mit Statistik
01.02.2010, Andreas Beyerlein, Sulzbach-RosenbergStatistische Methoden sind in den meisten empirischen Wissenschaften allerdings unentbehrlich, da sie letztendlich die Brücke schlagen zwischen Wissenschaftstheorie und Empirie. Dennoch trifft man im Wissenschaftsalltag häufig auf Forscher, die große Unsicherheiten im Umgang mit Statistik zeigen, was wohl teilweise auf Berührungsängste mit mathematischen Formeln zurückzuführen ist. Allerdings erfordern viele statistische Konzepte zunächst reines Nachdenken und keine Anwendung komplizierter Formeln – so basiert auch Ihr Artikel auf Überlegungen und letztlich recht einfachen Berechnungen. Es würde sicherlich nicht schaden, in den in vielen Studiengängen obligatorischen Statistik-Veranstaltungen nicht nur zu rechnen, sondern beispielsweise auch Exkurse in die Wissenschaftstheorie zu geben.
3. Willkür
14.02.2010, Dr. Wolfgang Priebsch, KielWertekorrelationen und andere statistische Ergebnisse können niemals als Beweis für wissenschaftliche Thesen dienen, höchstens als Hinweis auf mögliche Beziehungen zwischen den Beobachtungen. Lediglich eine Aufklärung der Kausalkette stellt einen genügenden Beweis dar. Leider haben viele Wissenschaftler dieses vergessen.