Kaiserschnitt
© Alessandro Beneditti: De Re Medica (1549)
(Ausschnitt)
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Der Legende nach soll der römische Diktator Julius Cäsar (100-44 v. Chr.) bei seiner Geburt aus dem Bauch der Mutter geschnitten worden sein, zumindest behauptet das der römische Schriftsteller Plinius der Ältere (23-79). Cäsar, aus dessen Name sich das deutsche Wort "Kaiser" ableitet, wurde damit auch zum Namenspatron dieser operativen Geburtshilfe.

Es war wohl mehr "Wichtigtuerei" einiger weniger, die dieses Gerücht in der Römischen Republik verbreiteten, um dem jungen Herrscher Göttliches einzuhauchen. In Wirklichkeit aber hätte dieser Eingriff seinerzeit mit Sicherheit zum Tod der Mutter geführt. Doch sie überlebte Cäsars Geburt um viele Jahre.

Schnittentbindungen durften nach römischem Recht nur an verstorbenen Frauen vorgenommen werden, um das Kind getrennt von der toten Mutter bestatten zu können. Damit war der erste Kaiserschnitt mit Sicherheit eine "sectio in mortua".

Der genaue Ursprung des Begriffs "Kaiserschnitt" ist unklar. Er könnte im Mittelalter geprägt worden sein und auf das lateinische Verb "caedere" (= schneiden) zurückgehen. Kinder, die auf diese Weise das Licht der Welt erblickten, hießen deshalb "caesones" ("Schnittlinge"). Vielleicht stammt der Begriff aber auch aus dem 8. Jahrhundert und bezieht sich auf das römische Gesetz, die "Lex regis", welches später "Lex Caesarea" genannt wurde. In ihm war festgelegt, dass das ungeborene Kind einer verstorbenen Mutter getrennt von dieser bestattet werden sollte.

Später erinnerte man sich jedoch nur noch an die Legende von Cäsars Geburt und nannte diese Art zur Welt zu kommen fortan Kaiserschnitt.

Den ersten erfolgreichen Kaiserschnitt führte im 15. Jahrhundert angeblich ein Schweizer namens Jacob Nufer im Kanton Thurgau durch. Nachdem seine Frau tagelang im Wochenbett gelitten hatte, wendete er verzweifelt seine praktischen Erfahrungen als Schweine-Kastrator an. Mutter und Kind überlebten.

Bis ins 19. Jahrhundert blieb der Kaiserschnitt eine Schreckensvision für jede werdende Mutter, denn die meisten Frauen starben nach dem Eingriff an inneren Blutungen oder Infektionen. Erst der italienische Chirurg Edoardo Porro (1842-—1902) konnte 1876 in Padua "bahnbrechende Erfolge" erzielen, weil er nach dem Kaiserschnitt die Gebärmutter entfernte und damit die Sterberate senkte.

In der Geschichte der Geburtshilfe war der Wechsel von der "sectio in mortua" zur "sectio in vivo" ein bedeutsamer Schritt, doch bis dahin lag ein weiter und leidvoller Weg. Heute kommen in Deutschland nahezu 20 Prozent aller Kinder per Kaiserschnitt zur Welt, in vielen Fällen ist er für Mutter und Kind lebensrettend.