Haupthistokompatibilitätskomplex, Abk. MHC (von engl. major histocompatibility complex), Bez. für eine Genfamilie, deren Produkte, die Histokompatibilitäts-Antigene (beim Menschen auch als HLA-System bezeichnet), die Wechselwirkung zwischen T-Lymphocyten und Antigen-präsentierenden Zellen (Antigen-Präsentation) im Rahmen einer Immunantwort vermitteln. Diese Antigene sind Glykoproteine der Plasmamembran von Zellen. Es gibt mindestens 20 MHC-Gene sowie 100 Allele von jedem Gen. Dies bedeutet, dass es, abgesehen von eineiigen Zwillingen praktisch unmöglich ist, dass zwei Menschen die gleichen MHC-Marker auf ihren Zellen besitzen. Daher ist der H. ein für jedes Individuum einzigartiger biochemischer Fingerabdruck, der es dem Immunsystem ermöglicht, „Selbst“ von „Fremd“ zu unterscheiden. Zwei Hauptklassen von MHC-Molekülen werden unterschieden: MHC-Klasse-I-Moleküle befinden sich auf allen kernhaltigen Zellen, d.h. auf nahezu jeder Körperzelle. MHC-Klasse-II-Moleküle sind auf wenige spezialisierte Zellen des Immunsystems begrenzt, und zwar vor allem Makrophagen, B-Lymphocyten und aktivierte T-Lymphocyten. Die MHC-Klasse-II-Moleküle haben eine wichtige Rolle bei der Wechselwirkung zwischen Zellen des Immunsystems inne, insbesondere bei der Aktivierung von T-Helferzellen (spezifische Immunantwort). Daneben gibt es noch einige andere Gene, z.B. für Komponenten des Komplementsystems, die als MHC-Klasse-III-Moleküle bezeichnet werden. ( vgl. Abb. )

Ebenfalls eng mit dem H. gekoppelt ist der Eigengeruch eines Individuums. Je näher verwandt zwei Individuen sind, desto ähnlicher ist der Eigengeruch. So können eineiige Zwillinge selbst von speziell trainierten Tieren nicht mehr aufgrund ihres Eigengeruchs unterschieden werden. MHC-assoziierte Gerüche beeinflussen die Mutter-Kind-Bindung, die Partnerwahl, die Inzestschranke und die Fehlgeburtenrate.



Haupthistokompatibilitätskomplex: Organisation des Histokompatibilitäts-Locus von Maus und Mensch. Die Lage und die wichtigsten Loci der Klasse I, II und III sind eingezeichnet. Eckige Klammern kennzeichnen Gene, die für andere Proteine als die Komplementkomponenten C2 und C4 codieren