Kindchenschema, eine Kombination von Körper-Merkmalen, die beim Menschen und verschiedenen anderen Primaten zum unmittelbaren Erkennen eines jugendlichen oder kindlichen Entwicklungsstands (kindliche Entwicklung) führt und in der Regel positive Gefühlsreaktion und Zuwendung, gegebenenfalls auch Betreuung und Pflegeverhalten, veranlaßt ( vgl. Abb. ). Charakteristika des Kindchenschemas sind ein vergleichsweise großer Kopf mit ausgeprägter Stirnwölbung und Hinterkopf, große, tief angeordnete Augen, kleiner Nasen- und Kinnbereich, kurze Extremitäten, unbeholfene Bewegungen usw. Das Kindchenschema wurde von K. Lorenz beschrieben und als Beispiel für einen angeborenen auslösenden Mechanismus (AAM, in diesem Fall für Brutpflegereaktionen; Brutpflege) beim Menschen betrachtet; ein endgültiger Nachweis fehlt jedoch. Das Kindchenschema wird in der Werbung ebenso benutzt wie bei Spielzeugfabrikationen und Comic-Zeichnungen, um eine positive Gefühlsreaktion und Kaufbereitschaft zu veranlassen. Aggressionshemmung, Attraktivität, Betreuung, Jugendkleid.



Kindchenschema



Die wesentlichen Merkmale des Kindchenschemas befinden sich im Kopfbereich: große Augen, hohe Stirn und runde, „Pausbacken“, insgesamt ein rundlicher Umriß des Kopfes. Die dadurch ausgelöste positive Gefühlsreaktion kann sich auch auf Lebewesen richten, die diese Merkmale zufällig zeigen. So weckt das Rotkehlchen mehr Sympathie als der Pirol oder die Amsel, die Wüstenspringmaus oder das Zwergkaninchen mehr als der Feldhase, der Pekinese oder Yorkshire-Terrier mehr als der Jagdhund. Bei Spielzeug und anderen Produkten wird das Kindchenschema oft durch übernormale Auslöser genutzt; so werden die runden Backen und großen Augen bei Puppen stark übertrieben.

Das „niedliche Hündchen“ mit großem Kopf, rundlichen Körperformen und dicken Pfoten wirkt tolpatschig. Die europäische Puppe hat ebenso einen übertrieben großen Hirnschädel wie die Puppe für Kinder des Ashanti-Stammes in Ghana (Afrika).