Schlauchpilze, 1) die Ascomycota (oder Ascomycetes); alle Pilze, die in der geschlechtlichen Vermehrung (= Hauptfruchtform) einen Ascus (= „Schlauch“) als Sporangium ausbilden (Pilze; vgl. Tab. 3 ). 2) Echte Schlauchpilze, Schlauchpilze i.e.S., die (2.) Klasse Ascomycetes der Ascomycota mit 3 bzw. 4 Unterklassen ( vgl. Tab. 1 und vgl. Tab. 2 ) oder Unterklasse Ascomycetidae. Charakteristisch ist – neben dem typischen Ascus-Sporangium –, daß sich die Hauptfruchtform aus dikaryotischen Hyphen entwickelt: nach der Verschmelzung des Cytoplasmas (Plasmogamie) geschlechtlich unterschiedlicher Zellen oder dem Einwandern des Kerns in eine Zelle verschmelzen die Geschlechtskerne nicht sofort miteinander, so daß eine Zelle 2 verschiedengeschlechtliche Kerne enthält (= Dikaryon). Bei den folgenden Zellteilungen teilen sich die Kerne gleichzeitig mitotisch. Dadurch entstehen dikaryotische Hyphen (ascogene Hyphen; Ascogon), die in der Regel ernährungsphysiologisch unselbständig sind (Ausnahme Taphrinales) und von (haploiden) Nährhyphen abhängig sind. Normalerweise entstehen die Asci aus den ascogenen Hyphenzellen und werden im Fruchtkörper (Ascoma) eingeschlossen (Ausnahme Taphrinales; Ascusentwicklung Ascus, Ascosporen). Die Zellwände der Schlauchpilze enthalten Chitin (meist über 10%), Glucane (ausnahmsweise auch Cellulose). Die Hyphenquerwände besitzen einen zentralen Porus, durch den das Cytoplasma der Zellen verbunden bleibt. Oft werden die Poren von einem oder mehreren Körperchen (= Woronin-Körperchen) begleitet. Pilze I Pilze II , ä Schädlinge .



Schlauchpilze



1 Entwicklungszyklus eines diözischen Schlauchpilzes (K! Karyogamie, P! Plasmogamie, R! Reduktionsteilung); 2 Konidienträger mit Konidien a von Aspergillus, b von Penicillium, c Kleistothecium-Fruchtkörper von Talaromyces, eines Vertreters der Eurotiales

G.S.

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