Auf den ersten Blick fällt einem oft nichts Besonderes auf, wenn man einem Jungen mit Autismus begegnet. Doch sobald man mit ihm zu reden versucht, wird schnell klar, dass etwas ganz und gar nicht stimmt. Er meidet den Blickkontakt, zappelt unruhig herum, wiegt den Körper vor und zurück oder schlägt sogar mit dem Kopf gegen die Wand. Zu einem normalen Gespräch ist ein Autist meist überhaupt nicht fähig. Obwohl er Gefühle wie Angst, Wut und Glück zu erleben vermag, fehlt es ihm an echtem Einfühlungsvermögen, und subtile soziale Signale, welche die meisten Kinder mühelos auffangen, entgehen ihm völlig. In den 1940er Jahren entdeckten der amerikanische Psychiater Leo Kanner und der österreichische Kinderarzt Hans Asperger unabhängig voneinander diese Entwicklungsstörung, unter der rund 0,5 Prozent aller Kinder leiden. Obwohl keiner der beiden Forscher von der Arbeit des anderen wusste, gaben sie dem Syndrom denselben Namen: Autismus, nach dem griechischen Wort autos für selbst.

Der Name passt gut, denn das auffälligste Merkmal ist eine starke Beeinträchtigung des sozialen Interaktionsverhaltens – gleichsam ein totaler Rückzug auf das eigene Selbst. Später haben Ärzte den Begriff Autismusspektrumstörung eingeführt, um zu verdeutlichen, dass das Leiden viele Varianten mit höchst unterschiedlichem Schweregrad hat, denen aber gewisse charakteristische Symptome gemeinsam sind.

Wodurch wird es verursacht? Seit Ende der 1990er Jahre untersuchen Forscher an der Universität von Kalifornien, ob die Krankheit mit den Spiegelneuronen zusammenhängt.