Keine 70 000 Jahre ist es nach derzeitiger Kenntnis her, seit Homo sapiens von Afrika aus seinen Siegeszug über die Welt begann. Vor ihm hatten sich in Europa und Asien andere Menschenarten etabliert. Jedoch erst unsere Spezies drang schließlich auf alle bewohnbaren Kontinente und diverse Inselketten vor. Diese Ausbreitung hatte außergewöhnliche Folgen: Wo immer der moderne Mensch auftrat, gab es massive ökologische Verwerfungen. Archaische Menschen, auf die er traf, starben aus. Ebenso verschwanden zahlreiche Großtierarten. In der Erdgeschichte war dies die folgenschwerste Expansion einer einzelnen Art.

Paläoanthropologen suchen schon lange nach einer Er­klärung für die Überlegenheit und zügige Verbreitung des Homo sapiens. Manche vermuten, das große, besonders komplexe Gehirn hätte dazu geführt, dass sich unsere Vorfahren gern neuen Herausforderungen stellten. Andere Experten glauben, den Ausschlag habe ihre überlegene Technologie gegeben: Dadurch konnten sie effektiver jagen als ihre Zeitgenossen und wurden auch mit feindlichen Gruppen leichter fertig. Wieder andere Forscher sehen die Hauptursache in einem Klimawandel, der damals die Populationen der Neandertaler und sonstigen archaischen Menschen außerhalb Afrikas geschwächt habe.

Doch keiner dieser Aspekte allein vermag den Erfolg des Homo sapiens wirklich zu erklären. Unter anderem könnte das daran liegen, dass die jeweils herangezogenen Erkenntnisse großteils begrenzte geografische Regionen betreffen – oft lediglich Westeuropa. Obwohl sich der moderne Mensch in mehreren Phasen verbreitete, war dies dennoch ein übergreifender, einheitlicher Vorgang. Dem sollte eine plausible Theorie Rechnung tragen. …