Ein entscheidender Schritt für die Evolution der Tierwelt, von den Schwämmen bis zum Menschen, war der Übergang zur Vielzelligkeit. Zwar spielten dafür einst auch massive Umweltveränderungen wie der steigende Sauerstoffgehalt in der Atmosphäre eine Rolle sowie die Tatsache, dass komplexe Zellen entstanden waren, die kleinere Zellen in sich eingeschlossen hatten und sich zu Nutze machten. Doch erst genauere Einblicke ins Genom und in die Steuerung der Gene machen den Übergang wirklich verständlich. Eine Forschergruppe um Arnau Sebé-Pedrós von der Universität Barcelona – derzeit am Weizmann-Institut für Wissenschaften in Rehovot (Israel) tätig – untersucht deswegen das Erbgut und die molekulare Ausstattung eines amöbenhaften Einzellers, der zu den allernächsten Verwandten vielzelliger Tiere zählt: Capsa­spora owczarzaki ist ein mikroskopisch winziger Parasit einer tropischen Süßwasserschnecke.

Jetzt haben sich die Wissenschaftler dessen Genre­gulation genauer angeschaut. Und tatsächlich wirkt Capsaspora in der Hinsicht wie ein Übergangsstadium zu vielzelligen Tieren. Denn bei diesem Organismus deuten sich schon bestimmte Steuerungsmechanismen der Genaktivierung an, die für Tiere typisch und unverzichtbar sind. Der einzellige Parasit erlaubt somit einen Blick auf das genregulatorische Ausgangsmaterial im Vorfeld ihrer Entstehung. In welcher Weise mögen diese alten Mechanismen zur Tierevolution beigetragen haben? …