In Wartezimmern, Cafés und öffentlichen Verkehrsmitteln sahen die Leute früher aus dem Fenster, in die Zeitung, manchmal in ein Buch. Heute sind fast alle mit ihrem Handy oder Smartphone beschäftigt. Oft sitzen im Restaurant ganze Familien um einen Tisch, die kaum ein Wort miteinander wechseln, sondern jeweils das private Display mustern. Binnen weniger Jahre hat sich ein enormer Wandel des Kommunikationsverhaltens vollzogen.

Während Kulturpessimisten nun den Verfall von Buch- und Gesprächskultur beklagen, erwarten Technikoptimisten vom neuen Medium eine ungeahnte Ausweitung demokratischer Teilhabe. Jede Person kann alles wissen, jede sich mit jeder austauschen – vorausgesetzt, sie hat ein Handy und Zugang zum Netz.

Diese Bedingung wird in den Industrieländern weitgehend erfüllt: Mobiltelefone sind erschwinglich, das Internet ist allgemein zugänglich. Ein Team von europäischen Politologen und Informatikern um Nils B. Weidmann von der Universität Konstanz erinnert allerdings mit einer aufwändigen Studie daran, dass der Internetzugang in vielen Entwicklungsländern vom Staat kontrolliert wird und bestimmten ethnisch definierten oder politisch privilegierten Gruppen vorbehalten bleibt. Wenn ein autoritäres Regime Widerstand aus einer bestimmten Ecke befürchtet, wird es zu verhindern suchen, dass sich Unruhen über das Netz organisieren. Eine Entwicklungshilfe, die einem Staat kommunikationstechnische Modernisierung ermög­licht, führt damit keineswegs automatisch demokratische Strukturen herbei. …