Lächelnd geht Bernd König auf seine Mutter zu. Die 71-Jährige erhebt sich mühsam von ihrem Stuhl. Ihre Mimik hellt sich auf. Musik erklingt, ein Walzer. Mit den ersten Takten nimmt das Tanzpaar Haltung an. Scheinbar mühelos drehen sie ein paar Runden über das Parkett.
In diesem Moment ist für Außenstehende kaum zu erkennen, wie ungleich dieses Paar doch ist: Rita König leidet an einer bereits fortgeschrittenen Demenzerkrankung. Ihr Kurzzeitgedächtnis versagt den Dienst, und sie vermag keine zusammenhängenden Sätze mehr zu bilden. Selbst grobmotorische Bewegungen fallen ihr zunehmend schwer; bei der körperlichen ­Hygiene ist sie auf Hilfe angewiesen. Wie die meisten Demenzpatienten wird Frau König bald einen Rollator, später gar einen Rollstuhl brauchen.
Dies alles ficht Mutter und Sohn in ihrem sichtbaren Enthusiasmus nicht an. Nach einigen Runden ist Schluss, die Tänzerin setzt sich erschöpft. Vor allem eines wird hier deutlich: Auch angesichts massiven geistigen Verfalls lohnt sich für diesen Moment das Leben.
Ähnliches lässt sich bei etlichen Tanzveranstaltungen beobachten, zu denen auch die Deutsche Alzheimer Gesellschaft regelmäßig einlädt. Denn Tanzen bedeutet mehr als eine ­nette Freizeitbeschäftigung, die nur den Alltag verschönert. Wissenschaftliche Studien der letzten Jahre belegen, dass dieses Kulturgut gerade hinsichtlich Wohlbefinden, Lebensqualität und Gesundheit große Chancen birgt …