Thomas Miller trinkt schon seit dem Teenageralter. Plötzlich kommt alles zusammen: Sein Vater stirbt, er bekommt Probleme im Job und wird zu allem Überfluss auch noch krank. Thomas verliert die Kontrolle über seinen Alkoholkonsum – unter zehn Bier am Tag bleibt er selten. Seine Frau stellt ihm ein Ultimatum: Entweder er hört auf zu trinken oder sie geht.

Der 58-jährige Geschäftsmann steht vor einer schweren Entscheidung. Natürlich will er seine Frau und die beiden Kinder nicht verlieren. Doch die Sucht hat ihn fest im Griff: Jedes Mal, wenn er den Hund ausführt oder auf die Toilette geht, leert er heimlich Wodkafläschchen.

Wie Thomas sind die meisten Alkoholiker in ihren Routinen gefangen. Warum tun sie sich so schwer, neue Gewohnheiten anzunehmen? Die Antwort suchen Forscher bei den Nervenzellen im Gehirn. "Wir wollen die neuronale Maschi­nerie wieder in Gang setzten, die Süchtigen die Kontrolle über ihr Verhalten zurückgibt", sagt Peter Kalivas von der Medical University of South Carolina in Charleston. Der Pharmakologe erforscht die Bedeutung des erregenden Botenstoffs Glutamat für das Suchtverhalten.

Lange Zeit konzentrierten sich Forscher auf die Frage, wie Drogen das Belohnungssystem im Gehirn beeinflussen. Doch inzwischen interessieren sie sich weniger dafür, wie Sucht entsteht, als dafür, warum sie so schwer zu verlernen ist …