Eigentlich wäre der Carrikeri-Harlekinfrosch (Atelopus carrikeri) das richtige Symboltier für die gefährdete Natur und die Artenvielfalt. Er vereint vieles, was das Überleben der Tiere und Pflanzen auf diesem Planeten fraglich macht. Jüngst erst entdeckten ihn Forscher in den kolumbianischen Anden wieder, nachdem er 14 Jahre lang verschollen war: Sein Lebensraum ist so winzig wie seine Bestandszahl wohl auch, weshalb Klimawandel und Lebensraumzerstörung rasch ihren Preis fordern – sein Habitat schwindet durch die Erderwärmung oder könnte durch Bergbau oder Überweidung zerstört werden. Ein tödlicher Pilz rafft seine nahe Verwandtschaft hinweg und könnte auch bald diesen Harlekin-Frosch erreichen. Terrarianer begehren um fast jeden Preis attraktive und seltene Spezies wie ihn. Und im Gegensatz zum bekannten und beliebten Pandabären – dem WWF-Maskottchen – interessiert sich weder die breite Öffentlichkeit noch die Politik für sein Überleben.

Fast ausgestorben: Der Carrikeri-Harlekinfrosch <i>Atelopus carrikeri</i>
© The Conservation Leadership Programme
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All das lässt die Zukunftsaussichten für Atelopus carrikeri wenig rosig erscheinen – und damit ergeht es ihm wie dem größten Teil der globalen Artenvielfalt, die in den meisten Fällen keine große Lobby hat oder deren wirtschaftliche Ausbeutung zumindest kurzfristig lukrativer scheint als ein langfristig ausgelegter Schutz. Und kein Mensch weiß, wie viele Tiere und Pflanzen mit uns überhaupt den Planeten teilen: Die Schätzungen reichen bis zu 30 oder sogar 120 Millionen Arten, von denen die Wissenschaft maximal 1,2 bis 1,5 Millionen kennt. Den Großteil davon stellen Insekten und andere wirbellose Tiere, Pilze und Bakterien, die gleichermaßen die am wenigsten erfassten Gruppen bilden – vor allem in den tropischen Regenwäldern und den Meeren winken noch zahlreiche Entdeckungen.

Während es beim "Kleinvieh" kaum belastbare Zahlen gibt, sind die Verhältnisse bei den Wirbeltieren und Gefäßpflanzen übersichtlicher: Von den knapp 10 000 Vogelarten gilt jede achte als vom Aussterben bedroht, unter den rund 5000 Säugetieren ist es jeder Vierte und von den 4500 Amphibienspezies gar ein Drittel. Die Bestände von Haien und Rochen befinden sich genauso im freien Fall wie jene tropischer Edelhölzer oder bestimmter Kakteen, warnt die IUCN, die Naturschutzorganisation der Vereinten Nationen. Mindestens 750 Tier- und Pflanzenarten listet sie offiziell als ausgestorben auf – die Dunkelziffer dürfte weit höher sein.

Lebensraumzerstörung an erster Stelle

Karte der Artenvielfalt
© Nees-Institut der Universität Bonn
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An erster Stelle bedroht heute wohl die um sich greifende und rapide voranschreitende Lebensraumzerstörung den Fortbestand der Biodiversität: Nach den Zahlen der FAO fallen jährlich beispielsweise mehr als sieben Millionen Hektar Wald den Motorsägen und Rodungsfeuern zum Opfer – das ist innerhalb von fünf Jahren die Fläche der Bundesrepublik. Dies betrifft vor allem die Tropen, wo auch die Artenvielfalt am größten ist. Allein Brasilien verlor seit dem Zweiten Weltkrieg 700 000 Quadratkilometer Regenwald, die vor wenigen Jahrzehnten noch dicht bewaldeten indonesischen Inseln Sumatra und Borneo sind heute in großen Teilen kahlgeschlagen, in Costa Rica hat nur ein Viertel der ursprünglichen Wildnis überdauert.

Von manchen Ökosystemen überlebte nur kleiner Prozentsatz bis heute die Umwandlung in Viehweiden, Felder oder Gewerbegebiete. Vom atlantischen Regenwald Brasiliens, Paraguays und Argentiniens steht mittlerweile weniger als ein Zehntel, Madagaskar verlor neunzig Prozent seiner ursprünglichen Vegetation, Westafrika 85 Prozent und Melanesien zwei Drittel. Ebenso schlimm trifft es Trockenwälder wie den Cerrado Brasiliens oder im Tumbes zwischen Ecuador und Peru, die beste Bedingungen für den bewässerten Feldanbau aufweisen. Und nicht nur Tropenwälder leiden unter Verlusten: Die mediterranen Buschländer Europas, Kaliforniens, Chiles oder Australiens wurden zwischen 70 und 90 Prozent reduziert. Und selbst Wüsten wie die südafrikanische Karoo oder Gebirge wie der Kaukasus sind nicht vor umfassender Zerstörung gefeit.

Waldverluste auf Borneo
© UNEP
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Die Umwandlung treibt vor allem die Landwirtschaft an: Der wachsende Flächenbedarf soll nicht nur den Hunger der gleichermaßen wachsenden (und wohlhabenderen) Weltbevölkerung, sondern zunehmend auch die Kraftstoffversorgung stillen. Indonesien plant deshalb die Ausweitung von Ölpalmen-Plantagen um 14 Millionen Hektar, um den expandierenden Agrardieselmarkt in den Industrieländern zu versorgen, Brasilien – der größte Global Player in diesem Segment – möchte weitere hundert Millionen Hektar für Zuckerrohr unter den Pflug nehmen. China und Indien, aber auch der wohlgenährte Westen verlangen nach mehr und billigerem Fleisch und Milchprodukten, weshalb sich die Viehzucht und der Anbau ihrer Futtermittel ausbreiten. Entsprechend viele Tiere und Pflanzen aus den Tropen finden Eingang auf den Roten Listen der gefährdeten Arten

Mit dem Finger nach Süden zu zeigen, verbietet aber nicht nur die Etikette – auch in den hochentwickelten Industriestaaten spielt die Land- und Forstwirtschaft eine tragende Rolle beim Verlust an Vielfalt: Australien gehört zu den Ländern mit den höchsten Entwaldungsraten, in den Vereinigten Staaten wird im Westen großflächiger Kahlschlag betrieben und soll in arktischen Schutzgebieten nach Öl gebohrt werden, rund ums Mittelmeer verbrennen in schöner Regelmäßigkeit mehr als 700 000 Hektar Wald- und Buschland – unter anderem aus Spekulation um Bauland oder aus Fahrlässigkeit, denn 95 Prozent der Brände gehen direkt auf Menschen zurück. Und in Deutschland schwinden vor allem die Zahlen von Tieren und Pflanzen des Kulturlandes, weil sich Ackerbau und Viehzucht zunehmend intensivieren und industrialisieren – auf Kosten einer kleinteiligen Landschaft mit Hecken, Tümpeln und artenreichen Brachflächen.

Jagen und Fischen ohne Gedanken an morgen

Feuer auf Sumatra
© NASA
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Die nordamerikanische Wandertaube sollte ein mahnendes Beispiel sein: Einst lebten Milliarden Individuen in den Laubwäldern der östlichen Vereinigten Staaten, wo sie in riesigen Kolonien brüteten, und manche Schwärme umfassten mehrere Millionen Tiere, die während der Zugzeiten über dutzende Kilometer hinweg den Himmel bedeckten. Die einst wohl häufigste Vogelart der Erde überlebte dennoch nur bis 1914, als das letzte überlebende Individuum im Zoo von Cincinnati starb. Jäger schossen sie zu nahezu täglich zu Hunderttausenden vom Himmel, und Sammler klaubten die Küken in großer Zahl aus den Nestern, da diese wegen ihres zarten und fetten Fleischs besondere Delikatessen waren.

Derartige Massaker spielen sich an Land so offensichtlich heute nicht mehr ab, und auch die Schreckensbilder der Wilderei aus der Serengeti und anderen bekannten Reservaten verschwanden durch verbesserte Schutzmaßnahmen aus der Öffentlichkeit. Dennoch zählen Überjagung und Überfischung heute immer noch zu den wichtigsten Gründen, wenn Arten ums Überleben kämpfen. Ein gutes Beispiel geben die Menschenaffen Afrikas ab, denn sowohl Gorillas als auch Schimpansen werden in hohem Maße gewildert und verspeist – so schrumpfte im Kongo die lokale Schimpansenpopulation im letzten Jahrzehnt um knapp zehn Prozent jährlich, weil die Tiere auf lokalen Fleischmärkten landeten.

Hauptverbreitung gefährdeter Albatrosse und Sturmvögel
© RSPB, Birdlife International
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In Südostasien leert unter anderem die wachsende Nachfrage nach Wild und Arzneien der traditionellen chinesischen Medizin die Wälder, weil Schildkröten, Tiger, Bären, Schlangen oder Affen zu Pulvern, Salben oder Fleischgerichten verarbeitet werden. Von der Tibetischen Antilope existieren heute nur noch wenige tausend Tiere im Hochland von Tibet, weil ihr weiches Bauchfell begehrt ist und als so genannte Shatoosh-Wolle für sehr feine und warme Schals gehandelt wird – um an die Haare zu kommen, muss man die Tiere schießen. Ein ähnliches Schicksal ist Nashörnern, Saiga-Antilopen oder Elefanten beschieden, deren Hörner und Zähne als Aphrodisiakum oder Schmuck enden.

Ähnlich wie mit der Wandertaube läuft es dagegen immer noch unter Wasser ab – allerdings weniger offensichtlich. Jüngst warnte eine Studie, dass bis spätestens 2050 die meisten Fischgründe des Planeten heillos und unwiederbringlich überfischt sein könnten. Jährlich sterben mindestens 100 Millionen Haie, weil ihre Flossen begehrte Suppeneinlagen abgeben oder ihre Knorpel angeblich gegen Krebs helfen. Vor Neufundland brach bereits die Kabeljau-Fischerei zusammen, und in der Ostsee droht dem Dorsch das gleiche Schicksal.

Neue Skipiste in den Karawanken
© Daniel Lingenhöhl
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Bisweilen bedingen sich Fischerei und Jagd sogar, wie im Falle von Westafrika: Europäische Trawler nutzen dort – gegen Bezahlung – die noch einigermaßen gesunden Schwärme, doch sorgen sie dafür, dass einheimischen Fischern weniger in die Netze gerät. Mangels Alternativen wenden sich die Menschen deshalb dem Buschfleisch als alternativer Proteinquelle zu. Zurückhaltende Schätzungen gehen von mindestens 400 000 Tonnen Wildtier pro Jahr aus, die in den regionalen Handel kommen. Dafür sinken deren Populationen in den Reservaten stark – teilweise um bis zu 76 Prozent. In kleineren Schutzgebieten kam es auch schon zum lokalen Aussterben großer Arten: Sie liefern das meiste Fleisch.

Ähnlich verheerend wirkt sich auch der Lebendfang für den Tiermarkt aus: Spix-Aras aus Brasilien, Bali-Stare oder Chamäleons aus Madagaskar bringen im legalen und noch mehr im illegalen Handel immense Summen. Der – verbotene – Verkauf von geschützten Tieren und Pflanzen gilt Experten als drittgrößte kriminelle Geldbeschaffung nach Drogen und Waffen. Immerhin hat die Europäische Union im letzten Jahr die Einfuhr von wild gefangenen Vögeln verboten – wenngleich mehr aus Angst vor der Vogelgrippe als aus Naturschutzgründen.

Die Globalisierung der Biosphäre

Artenverluste in Europa
© Wilfried Thuiller
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Der Ou (Psittirostra psittacea) aus der Unterfamilie der Kleidervögel segnete vermutlich gegen Ende des letzten Jahrhunderts das Zeitliche – seitdem gelang es keinem Ornithologen mehr, ihn in seinen hawaiianischen Gebirgswäldern zu beobachten. Neben Abholzung haben wohl vor allem eingeschleppte Tiere und Krankheiten zu seinem Niedergang beigetragen: Ratten und Katzen jagen die auf fremde Invasoren nicht eingestellten – und daher entsprechend naiven – Inselarten, Schweine und Ziegen zerstören ihren Lebensraum durch Überweidung, europäische Stare oder javanische Reisfinken konkurrieren mit ihnen um Nahrung und Brutplätze. Und zu allem Übel sterben sie an der Vogelmalaria, die es vorher auf den Hawaii-Inseln nicht gab und die von ebenfalls eingeführten Moskitos übertragen wird.

Invasive Tier- und Pflanzenarten gefährden fast die Hälfte der rund 1900 bedrohten Spezies der Vereinigten Staaten. Der im Viktoriasee für die Fischerei ausgesetzte Nilbarsch hat vermutlich hundert nur dort vorkommende Buntbarschspezies auf dem Gewissen, die auf Guam per Luftfracht eingereiste Braune Baumschlange eliminierte zehn der elf heimischen und einzigartigen Vogelarten, und in Europa bedroht die Schwarzkopfruderente – ein beliebtes Geflügel aus Nordamerika – den Fortbestand der Weißkopfruderente vom Alten Kontinent. Der wohl aus Afrika stammende Hautpilz Batrachochytrium dendrobatidis gilt als die größte tödliche Bedrohung für australische und südamerikanische Frösche. Insgesamt etwa 80 Prozent der weltweit bedrohten Arten leiden auch unter der Konkurrenz oder der Verfolgung durch Exoten.

Überfischung
© NOAA, National Marine Fisheries Service, William B. Folsom
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Während Tiere und Pflanzen früher allerdings oft beabsichtigt auf andere Kontinente oder Inseln verfrachtet wurden – etwa um die bei Shakespeare erwähnten Vögel auch im Centralpark zwitschern zu lassen oder Frischfleisch auf abgelegenen Inseln zu stationieren wie im Falle von Schweinen, Eseln und Ziegen auf Galapagos oder St. Helena –, sind viele Umsiedelungen heutzutage ein Versehen. Die weltweiten Handelsströme bringen es mit sich, dass asiatische Laubholzkäfer in amerikanischen Wäldern nagen, südamerikanische Wasserpflanzen afrikanische Kanäle verstopfen oder amerikanische Maiswurzelbohrer europäische Landwirte in Aufruhr versetzen. Meeresorganismen reisen im Ballastwasser von Ozeanriesen über die Meere und sorgen dafür, dass ostasiatische Krabben in der Nordsee hausen und europäische Zebramuscheln in nordamerikanischen Seen für Unheil sorgen.

Bisweilen bauen die Neozoen und Neophyten – so der Fachausdruck – ganze Ökosysteme um: In den Everglades etwa entziehen Melaleuca quinquenervia (eine Myrte) und Kasuarinen aus Australien dem Boden Wasser und verwandeln Seggen und Marsche in Dickichte mit geringer Vielfalt. In der Südsee verwandelt das Schwarzmundgewächs Miconia calvescens artenreiche Wälder in monotone Baumbestände, die schließlich den Boden auf den Hängen nicht mehr halten können und zu Bergrutschen führen. Im Mittelmeer wiederum überwuchert die tropische Grünalge Caulerpa taxifolia felsige Unterwasserlandschaften und raubt damit einheimischen Fischen, Muscheln oder Krustentieren den Lebensraum.

Der Siegeszug der Chemie

Jäger mit "Buschfleisch"
© Nadine Laporte, WHRC
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Als 1962 der "Stumme Frühling" von Rachel Carson auf den Buchmarkt kam, war das eine Sensation. Kaum jemand dachte daran, dass die Errungenschaften der chemischen Industrie fatale Konsequenzen haben könnten. Doch das beliebte Insektenschutzmittel DDT reicherte sich in den Körpern von Vögeln an und verhinderte ihren Bruterfolg, weil die Eierschalen dünn und zerbrechlich wurden: Die Zahlen an Wanderfalken oder Weißkopf-Seeadlern implodierten regelrecht und führten letztlich dazu, dass das Mittel in den Industriestaaten verboten wurde.

Heute sieht die Öffentlichkeit die Welt der Insektizide, Kunststoffe oder Weichmachern kritischer, dennoch sind die Gefahren durch Chemikalien nicht gebannt. Aktuell zeigt dies die Diskussion um das Pflanzenschutzmittel Clothianidin, mit dem Maiskörner vor der Aussaat gebeizt werden, damit sie nicht dem Maiswurzelbohrer zum Fraß fallen. Für Bienen ist es aber offensichtlich tödlich giftig, denn kurz nach Ausbringen des derart behandelten Saatguts starben in Italien wie im Rheintal massenhaft die nützlichen Insekten – und in ihren Körpern konnte immer wieder das Insektizid nachgewiesen werden.

Der Letzte seiner Art: ausgestorbener Po'o-uli
© USFWS/Birdlife International
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Immer wieder dokumentieren Biologen in Entwicklungsländern auch Massensterben von Vögeln oder Fischen, nachdem Spritzmittel eingesetzt wurden: Dort sind häufig die Kontrollen lascher, und es kommen Mittel zum Einsatz, die in Europa schon längst verboten sind. Die Gesundheit von Tieren beeinträchtigen aber auch Substanzen, die eigentlich nicht zum Außeneinsatz gedacht waren – PCB und andere Weichmacher beispielsweise, die sich im Fettgewebe von Eisbären oder Walen anreichern und deren Gehirn wie Immunsystem schädigen. Künstliche Östrogene aus Medikamenten wiederum verweiblichen im Wasser Fische, Amphibien und sogar Krokodile, weshalb ausreichend gesunde Männchen fehlen und der Nachwuchs ausbleibt.

Über allem dräut der Klimawandel

Womöglich verblassen alle diese Gefahren aber bald durch die rasch voranschreitende Erderwärmung – vor allem in Tateinheit mit der Lebensraumzerstörung. Steigen die Temperaturen weiterhin, wie in den letzten Jahrzehnten beobachtet, und keine wissenschaftliche Prognose geht von etwas anderem aus, könnten viele Tier- und Pflanzenarten aussterben, weil ihr Ökosystem verschwindet oder sie nicht schnell genug in weiterhin geeignete Gebiete abwandern können.

Bengalgeier
© Guy Shorrock/RSPB Images
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Die Aufheizung sorgt beispielsweise bereits dafür, dass alpine Lebensräume zunehmend in die Höhe verdrängt werden, während von unten Waldgrenze ansteigt – eine tödliche Bedrohung für Schmetterlinge oder Blumen des Hochgebirges, die auf offene Flächen angewiesen sind. Die Goldkröte Costa Ricas gilt ebenfalls als ein frühes Opfer des Klimawandels: Sie lebte bis Anfang der 1990er Jahre im Bergregenwald von Monteverde, wo die Erwärmung eventuell dafür sorgte, dass weniger Niederschläge fielen und sich weniger Nebel bildete. Die für das Wohlergehen des Lurchs wichtige Feuchtigkeit schwand – und damit womöglich auch die ganze Art. Überhitzung bedroht laut dem Biologen Curtis Deutsch Millionen tropischer Insektenarten, schwindendes Eis den arktischen Eisbären und antarktische Pinguine und zunehmende Dürre den Amazonas-Regenwald.

Zeichen der Hoffnung?

Da der Klimawandel die Lebensraumzerstörung womöglich noch verschärft (Trockenheit erleichtert die Brandrodung oder verstärkt die Wüstenbildung), könnten beide kombiniert in den nächsten Jahrzehnten Millionen Tier- und Pflanzenspezies aussterben lassen – sollte es der Menschheit nicht gelingen gegenzusteuern. Und dies ist durchaus möglich: Immerhin steht heute ein Zwölftel der Landfläche des Planeten unter Naturschutz (wenngleich nicht immer real, sondern nur auf dem Papier), und weitere Gebiete werden sicherlich noch folgen, planen doch wichtige artenreiche Länder wie Brasilien oder Madagaskar die massive Ausweitung ihrer Reservate. Intensive Schutzmaßnahmen haben nach Angaben von Birdlife International in den letzten Jahren mindestens 25 Vogelarten vor dem sicheren Aussterben bewahrt, und der urige wie seltene Kakapo Neuseelands sieht sich dieses Jahr wieder einer erfolgreichen Brutsaison gegenüber. Handelsverbote sorgten dafür, dass afrikanische Elefanten oder Wale weniger stark gejagt werden und ihre Bestände wieder wachsen.

Channel-Island-Fuchs
© Timothy J. Coonan
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In Deutschland konnte das Grüne Band – jener artenreiche, quasiwilde ehemalige Grenzstreifen zwischen Ost und West – mehr oder weniger geschützt werden. Die Flüsse und Seen in Europa werden immer sauberer, und alternative Energieformen gewinnen an Sympathie und Marktanteilen. Die Konferenz in Bonn soll und muss jetzt aber zeigen, ob sich die Welt damit schon zufrieden geben will.