Über zehn Jahre hinweg hat ein Forscherteam um Jason Chapman von der University of Exeter den südenglischen Himmel beobachtet – und dabei Anzeichen für eine erstaunliche, bislang selbst Experten unbekannte Insektenwanderung gefunden: Im Schnitt 3,5 Billionen Insekten migrierten jeden Herbst von Norden nach Süden und im Frühjahr zurück. Das entspreche rund 3200 Tonnen beweglicher Biomasse.

Die Wanderbewegung verfolgten die Forscher mit Hilfe eines Radargeräts und mit Fallen, die sie an kleinen Zeppelinen schweben ließen. Es habe sich eindeutig nicht um eine Zufallsbewegung gehandelt, meinen Chapman und Kollegen. Stattdessen scheinen die Tiere auf günstige Winde zu reagieren. So bilden sich regelrechte Schwärme unterschiedlichster Insektenarten – von Schwebfliegen bis zu Wasserkäfern.

Im Magazin "Science" vergleicht Lael Parrott von der University of British Columbia in Kelowna das Phänomen mit dem Plankton der Meere. Die Biomasse, die sich durch die Insektenwanderung verlagere, habe vermutlich einen großen Einfluss auf das Ökosystem. Ein Insektensterben in der einen Region könne sich so womöglich Monate später an ganz anderer Stelle negativ auswirken. In ihren Daten beobachteten die Forscher, dass die Zahl der Insekten über ihrer Messstation im manchen Jahren erheblich unter dem Durchschnitt lag.

Bislang haben die Forscher nur den Himmel Südenglands mit ihrem Radar ausgespäht. Ob das Phänomen auch in anderen Regionen auftritt, ist darum nicht eindeutig belegt, aber wohl durchaus wahrscheinlich. Wenn schon über dem vergleichsweise kargen Südengland derart viele Insekten unterwegs sind, könne man sich ausmalen, wie gewaltig diese Zahlen in den Tropen sein müssen, meint Larry Stevens vom Museum of Northern Arizona in Flagstaff, ebenfalls in "Science".