Alle Jahre wieder setzt es Schlagzeilen, sobald Astronomen den Stern GJ 436 im Sternbild Löwe genauer ansehen: Um den Roten Zwerg entdeckte man 2004 Exoplaneten, im Jahr 2012 einen heißen roten Mars, und 2015 entlarvte man schließlich einen heißen Neptun, der seine Wasserstoffatmosphäre offenbar kometenschweifähnlich hinter sich herschleppt. Ganz grundsätzlich kommt das 33 Lichtjahre von uns entfernte System aber ungewöhnlich derangiert daher, ergänzen nun GJ-436-Beobachter von der Universität Genf: Der Kometenneptun umrundet das System nicht wie üblich auf der Äquatorialebene, sondern eiert offenbar elliptisch fast über die Pole des Roten Zwergs, erklären die Astronomen in "Nature".

Diese extrem hohe Inklination des Exoplaneten GJ 436b – also die Bahnneigung gegenüber dem Sternäquator bei der jährlichen Umrundung – ist ein weiteres Extrem des heißen Exoneptuns, wie die Berechnungen des Teams nun belegen. Zudem ist die Bahn elliptisch, weshalb er in jedem der nur etwa 2,64 Erdtage dauernden Exoneptunjahre periodisch extrem nahe an den Stern herankommt. Das bedeutet nicht nur, dass er regelmäßig stark angeheizt wird – wohl die Ursache für das schweifartige Ausgasen seiner Atmosphäre –, sondern heißt auch, dass der Planet enormen Gravitationskräften ausgesetzt ist.

Eigentlich sollten diese Kräfte aber auch dafür sorgen, dass die merkwürdig elliptische Bahn des Planeten allmählich kreisförmig wird. Dafür sollte seit der Entstehung des Planetensystems um den langlebigen und alten Roten Zwerg auch schon genug Zeit vergangen sein. Offenbar verhindert aber ein bisher unbekannter Einfluss die Begradigung der Planetenbahn – vielleicht wirkt ein weiterer, größerer und bisher unentdeckter Planet GJ 436c aus der Ferne und drückt die Bahn des weiter innen kreisenden Exoneptuns in eine Ellipse, spekuliert das Team um Vincent Bourrier: "Genau diesen mysteriösen Planeten zu entlarven, ist nun unser nächstes Ziel."