Am 24. Juni ist Neumond und um die Neumondnächte zu dieser Jahreszeit dominieren schon die Sommersternbilder den Himmel. Dagegen verabschieden sich langsam die Sternbilder des Frühlingshimmels. Am 21. Juni ist Sommersonnenwende, wir erleben den längsten Tag des Jahres. Ab dann werden die Nächte endlich wieder länger, allerdings zunächst nur sehr langsam. Dennoch können wir die relativ kurzen mondlosen Nächte nutzen, um einen Blick auf einige der schönsten Himmelsobjekte zu werfen.

Schwan in der Sommermilchstraße (Übersichtskarte)
© Tobias Häusler / Stellarium
(Ausschnitt)
 Bild vergrößernDer Schwan in der Sommermilchstraße
Das Sternbild Schwan, lateinisch: cygnus, manchmal auch "Kreuz des Nordens" genannt, enthält eine Vielzahl an sehenswerten Objekten. Die hellen Sterne Deneb im Schwan, Wega in der Leier und Atair im Adler bilden übrigens das Sommerdreieck, das sich über einen großen Bereich des Himmels erstreckt.

Dafür schauen wir in Richtung des Sternbilds Schwan, der bildhaft die Milchstraße entlangfliegt. Der Schwan zeigt sich als auffälliges "Kreuz" am Abend und ist über dem Südosthorizont zu sehen. Am unteren Ende dieses Kreuzes befindet sich Albireo, ein bei näherer Betrachtung sehr interessanter Doppelstern. Er ist das Auge des Schwans. Am anderen Ende trifft man auf Deneb. Neben ihm liegt ein riesiger Wasserstoffnebel, der von einem dunklen Staubband in den Nordamerika- und den Pelikan-Nebel geteilt wird. Die beiden Nebelgebiete sind sehr groß und zumindest in Mitteleuropa nur mit einem Nebelfilter und extrem geringer Vergrößerung sowie natürlich perfekt dunklem Himmel zu sehen. Am besten ist hier sogar eine Kombination aus Fernglas und Filter.

Der Nordamerika-Nebel NGC 7000
© Tobias Häusler
(Ausschnitt)
 Bild vergrößernDer Nordamerika-Nebel NGC 7000
Auf dieser Aufnahme des Nordamerika-Nebels lässt sich in der oberen Bildhälfte deutlich eine dunkle Staubwolke erkennen, welche für die Erscheinung des Nebels verantwortlich ist. Wasserstoffnebel leuchten fast immer rot, im Teleskop erscheinen sie dem Auge allerdings eher als ein grünliches Leuchten.

In der Mitte des Schwans liegt auf halbem Weg zwischen der Mitte des Kreuzes der Stern Sadr oder Gamma Cygni und Eta Cygni der kleine Crescent-Nebel NGC 6888. Neben einem relativ großen Teleskop ist hier auch eine höhere Vergrößerung von etwa 100-fach notwendig. Ein Nebelfilter (UHC oder besser OIII) entscheidet meist über sehen oder nicht sehen. Der Crescent-Nebel wird wegen seiner Form auch Ohren- oder Sichelnebel genannt. In Teleskopen ab 30 Zentimeter Durchmesser lässt sich sogar seine kokonartige Struktur erkennen, die stark an diejenige einer Seidenraupe erinnert. NGC 6888 wird durch einen massereichen Wolf-Rayet-Stern gebildet, der einen extrem starken Sternwind abgibt und dabei den Nebel erzeugt.

Der Crescent-Nebel NGC 6888 im Sternbild Schwan
© Andreas Rörig
(Ausschnitt)
 Bild vergrößernDer Crescent-Nebel NGC 6888
Andreas Rörig fotografierte den Crescent-Nebel NGC 6888 im Sternbild Schwan mit einem 300-Millimeter-Newton-Teleskop von Wilsenroth im Westerwald aus. Der Nebel entsteht durch den starken Sternwind eines Wolf-Rayet-Sterns.

In der unmittelbaren Nähe des Schwans lassen sich die wohl bekanntesten Planetarischen Nebel der nördlichen Hemisphäre sichten. Der kleine Ringnebel Messier 57 im Sternbild Leier ist leicht zu finden. Er liegt etwa in der Mitte zwischen den beiden "unteren" Sternen Sulafat und Sheliak (Gamma und Beta Lyrae) in der rautenförmigen Sternfigur der Leier. Mit dem Aufsuchokular und 30- bis 50-facher Vergrößerung muss man schon aufpassen, den kleinen Nebel nicht als Stern im Gewimmel der anderen zu übersehen. Hat man ihn jedoch einmal gefunden und stärker vergrößert, so gibt der Nebel seine ovale ringförmige Struktur preis. Für die Sichtung des Ringnebels eignet sich jedes beliebige Fernrohr, den schwachen Zentralstern zeigen allerdings nur sehr große Amateurteleskope mit mehr als 30 Zentimeter Öffnung.

Der Ringnebel Messier 57 im Sternbild Leier
© Michael Schröder
(Ausschnitt)
 Bild vergrößernDer Ringnebel Messier 57 im Sternbild Leier
Michael Schröder gelang im Mai 2012 mit einem 9,25-Zoll-Teleskop von Celestron diese Aufnahme des Ringnebels Messier 57.

Auf der Südseite des Schwans liegt der zweite Nebel im Grenzbereich der kleinen Sternbilder Füchslein und Pfeil. Der Hantelnebel Messier 27 lässt sich mit einem kleinen Trick gut finden: Das Sternbild Pfeil besteht aus zwei relativ hellen Sternen und zwei dahinter, welche die Federn bilden. Nimmt man die Entfernung der beiden hellen und klappt sie sozusagen um die Spitze herum etwa 130 Grad in Richtung Schwan, so trifft man den Nebel im Füchslein ziemlich genau. Zwischen den beiden helleren Sternen im Pfeil liegt auch der leicht dreieckige Kugelsternhaufen Messier 71.

Der Hantelnebel sieht im Teleskop eher aus wie ein abgenagter Apfel und ist viel größer als der Ringnebel. Es lassen sich sogar einzelne Strukturen ausmachen. Allerdings erscheinen diese wie so oft ziemlich verwaschen.

Der Hantelnebel Messier 27 im Sternbild Füchslein
© Christopher Brandl
(Ausschnitt)
 Bild vergrößernDer Hantelnebel Messier 27 im Sternbild Füchslein
Christopher Brandl verwendete ein 150-Millimeter-Newton-Teleskop, um im Juni 2015 dieses Porträt des Hantelnebels Messier 27 im Sternbild Füchslein aufzunehmen. Deutlich tritt das grünliche Leuchten dieses Planetarischen Nebels hervor.