In den vergangenen 60 Jahren hat sich die durchschnittliche Temperatur auf der Antarktischen Halbinsel um drei Grad Celsius erhöht: Gletscher schmelzen und ziehen sich zurück, Pflanzen erobern das frei werdende Land. Meist handelt es sich dabei nur um Moose, doch diese schaffen als Pioniere bessere Lebensbedingungen für höhere Arten – und ihr Wachstum hat sich beschleunigt, wie Matthew Amesbury von der University of Exeter und seine Kollegen in "Current Biology" darlegen. Die Wissenschaftler hatten an fünf Stellen auf der Antarktischen Halbinsel Moospolster beprobt, die bis zu 150 Jahre alt waren. Daraus konnten sie ableiten, wie schnell die Pflanzen während dieser Zeit gewachsen waren, wie stark sie biologisch aktiv waren und wie viel sie an Masse zugelegt hatten.

Die Ergebnisse waren eindeutig: Während der letzten 50 Jahren haben parallel zur Erwärmung auch das Wachstum der Pflanzen sowie die Aktivität der darin angesiedelten Mikroorganismen zugenommen. Vor allem nach 1970 fand ein rapider Anstieg statt, und das galt sogar für den am weitesten südlich gelegenen und eigentlich kältesten Standort der Studie. Teilweise haben sich die Wachstumsraten vervier- oder verfünffacht. "Wenn die Temperaturen weiter steigen, wird sich das Aussehen der Antarktis drastisch wandeln", so Amesbury. "Je stärker sich die Gletscher zurückziehen und je mehr neues Land frei wird, desto grüner wird die Region werden." Gegenwärtig sind nur 0,3 Prozent der antarktischen Landmasse für Pflanzenwuchs geeignet. Im nördlichen Bereich der Halbinsel finden sich schon Gebiete, wo Moose ausgedehnte Flächen entlang der Küste bewachsen und der Region ein untypisches Aussehen verpassen.