In 24 Stunden dreht sich die Erde um sich selbst – doch das stimmt nur teilweise. Es gibt extrem kurze Abweichungen im Tagesrhythmus, für die etwa die Gezeitenkräfte des Mondes und die turbulente Erdatmosphäre verantwortlich sind. Jetzt berichten zwei Forscher, dass sie in der vielfältig variierenden Tageslänge regelmäßige Muster entdeckt haben. Richarde Holme von der University of Liverpool und Olivier de Viron von der Université Paris Diderot fanden einen 5,9 Jahre währenden Zyklus, in dem die Tageslänge um 0,1 Millisekunden schwankt.

Die Geophysiker analysierten dafür Messdaten der Tageslänge aus den vergangenen 50 Jahren. Sie entfernten zunächst alle bekannten Einflüsse, vor allem Prozesse an der Erdoberfläche. In den verbleibenden Signalen isolierten sie dann drei verschiedene Vorgänge: Neben dem völlig regelmäßigen Zyklus fanden sie einen über Jahrzehnte verlaufenden Trend länger oder kürzer werdender Tage. Außerdem kommt es immer wieder zu kurzen Sprüngen in der Tageslänge.

Woher diese Schwankungen kommen, ist bislang unklar. Allerdings deuten die Forscher ihren Fund eines stetigen Zyklus als klaren Hinweis darauf, dass die Ursachen nicht im All, sondern tief im Erdinneren zu suchen sind.

Einen Anhaltspunkt liefert vielleicht ein ungewöhnliches Phänomen im Erdmagnetfeld: In dessen Feldstärke kommt es immer wieder zu kurzen Sprüngen, die zeitgleich zu plötzlichen Schwankungen der Tageslänge auftreten. Die Geophysiker vermuten daher, dass der flüssige äußere Erdkern die aufgedeckten Schwankungen verursacht.