Die reichen und aufstrebenden Regionen der Erde konsumieren immer mehr Fleisch – und müssen daher auch immer mehr Vieh mit wachsendem Aufwand halten und ernähren. Das funktionierte in den letzten Jahrzehnten sogar: Trotz negativer Nebenwirkungen stiegen Effizienz und Produktivität der Viehhaltung immerhin noch schnell genug, um den Bedarf bei für Wohlhabende nicht allzu hohen Kosten zu decken. Nachhaltig ist dies allerdings nicht, wie Experten seit Langem mahnen. Verschiedene alternative Strategien sollen helfen – welche dieser Maßnahmen am meisten Erfolg versprechen, hat nun ein internationales Team von Agrarökonomen durchgerechnet. Eine ihrer Schlussfolgerungen: Es lohnt sich vor allem, einen besonders schädlichen Effekt des zunehmenden Fleischkonsums zu vermeiden: Der Anbau von Futtermitteln für Vieh sollte nicht die Produktion von Lebensmitteln für die Menschen verdrängen und verteuern. Auf Dauer dürfte es unter diesem Aspekt sinnvoll sein, wieder mehr Herden mit Raufutter zu versorgen, also rohfaserreicher und energiearmer Nahrung wie Gras und Heu. Die Viehhaltung selbst wird dabei weniger effizient – unterm Strich würde es sich aber auszahlen.

Die Forscher um Christian Schader vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau im schweizerischen Frick kommen zu diesem Schluss, nachdem sie verschiedene Zukunftsszenarien analysiert haben, mit denen der Fleischkonsum gedeckt oder reguliert werden kann.

Seit den 1960er Jahren steigert die Hochleistungs-Agrarindustrie ihren Ertrag, indem sie Vieherden mit höherwertigen Futtermitteln ernährt und schwach produktive Weideflächen seltener bewirtschaftet – insgesamt erzielte dies tatsächlich eine deutlich verbesserte Effizienz. Das galt sogar im Hinblick auf andere Faktoren der Ökobilanz. So fielen etwa rechnerisch immer weniger Treibhausgase für den gleichem Ertrag an. Allerdings mussten auch immer mehr Menschen versorgt werden, so dass die Belastung dennoch stetig anstieg.

Als Gegenmaßnahmen planten Experten ein, immer noch effizienter zu produzieren oder die Nachfrage durch Appelle an die Konsumenten zu verringern. Beide Ansätze sind sinnvoll, aber allein wohl nicht ausreichend, wie die Berechnungen zeigen – vor allem, wenn die Bedingungen mit einem zunehmenden Klimawandel in weiten Teilen der Erde noch schlechter werden. Dann hilft auch nicht mehr, etwa neben Wiederkäuern mehr "monogastrisches Nutzvieh" – zum Beispiel Schweine oder Hühner – zu züchten und zu schlachten. Denn dabei müsste einkalkuliert werden, dass deren Ernährung mit der des Menschen konkurriert: Sie verbrauchen nicht selten Futter, das Menschen auch als Nahrung dienen könnte. Man müsse daher weniger kurzfristig ökonomisch handeln und etwa mit höherem Aufwand die weniger geeigneten Graslandschaften, die derzeit vernachlässigt werden, mit Raufutter-Vieh bewirtschaften. Dies verspreche Synergieeffekte, die nicht zu unterschätzen sind, so die Forscher mit Blick auf die Modellrechnungen, die verschiedene ökonomische und ökologische Parameter berücksichtigen – wie den Flächenverbrauch, Klimagas- und Fleischproduktionsmengen. Daneben bleibe allerdings wichtig, den Konsumenten die verschiedenen Vorteile einer nicht zu fleischlastigen Kost zu vermitteln.