An der Grenze zwischen den Sternbildern Drache und Kleiner Bär bewegt sich in rund 1000 Lichtjahren Entfernung der Weiße Zwerg LP 40-365 mit hoher Geschwindigkeit durch den Weltraum. Sein Spektrum weist auf eine ungewöhnliche chemische Zusammensetzung hin, statt der sonst dominanten Linien von Kohlenstoff und Sauerstoff erscheinen bei LP 40-365 Linien von Magnesium, Natrium, Aluminium und Silizium, während Sauerstoff nur untergeordnet auftritt. Diesem seltsamen Sternüberrest widmete sich eine Forschergruppe um Stephane Vennes vom Astronomischen Institut der Tschechischen Akademie der Wissenschaften in Prag. Die Astronomen vermuten, dass LP 40-365 der Überrest einer leuchtschwachen Supernova vom Typ Iax sein könnte.

Das System LP 40-365 nach der Supernova-Explosion (künstlerische Darstellung)
© Russell Kightley (http://scientific.pictures)
(Ausschnitt)
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Nach der Explosion als Supernova blieb bei LP 40-365 eine Explosionswolke aus heißen Gasen (links) und der Weiße Zwerg zurück (blauer Punkt rechts), der sich mit hoher Geschwindigkeit vom Explosionsort entfernte.

Supernovae dieses Typs sind eine Untergruppe der Sternexplosionen vom Typ Ia, bei denen ein Weißer Zwerg explodiert und nur eine sich rasch ausdehnende Wolke aus heißen Gasen zurückbleibt. Für Supernovae vom Typ Ia gibt es zwei Entwicklungsszenarien: Das erste geht davon aus, dass sich ein Weißer Zwerg in einem engen Doppelsternsystem befindet, wobei vom Partnerstern Materie auf den Weißen Zwerg übertritt und sich auf diesem ansammelt. Überschreitet er schließlich einen kritischen Grenzwert von rund 1,4 Sonnenmassen, so kann die entartete Materie im Inneren des Weißen Zwergs dem Druck und den Temperaturbedingungen nicht mehr standhalten. Schlagartig setzen Kernfusionsreaktionen ein und der gesamte Himmelskörper wird von einer gewaltigen Explosion zerrissen. Im zweiten Szenario umrunden sich zwei Weiße Zwerge auf engen Bahnen. Sie verlieren dabei Bewegungsenergie durch die Abgabe von Gravitationswellen und verschmelzen schließlich miteinander. Dadurch überschreiten sie die kritische Massengrenze und explodieren ebenfalls.

Dem Typ-Iax-Supernovae liegt ebenfalls ein enges Doppelsternsystem zu Grunde, bei dem Materie auf den Weißen Zwerg überströmt. Allerdings liegt der Weiße Zwerg mit rund einer halben Sonnenmasse deutlich unterhalb der kritischen Massengrenze. Bei ihm zünden aus noch nicht genau geklärten Ursachen Kernfusionsreaktionen, die aber nicht zur vollständigen Zerstörung des Weißen Zwergs führen. Stattdessen kommt es zu einer Verpuffung, einer Deflagration, bei der nur ein Teil des Weißen Zwergs explodiert. Die dabei freigesetzte Energie ist beträchtlich geringer als bei normalen Supernovae vom Typ Ia. Diese Sternexplosionen werden daher auch als leuchtschwache Supernovae oder englisch: subluminous supernovae bezeichnet.

Die Teilexplosion des Weißen Zwergs erfolgt unsymmetrisch, so dass er einen erheblichen Stoß erhält. Er ist so stark, dass dabei das Doppelsternsystem auseinandergerissen wird. Dadurch fliegen die Partner in entgegengesetzte Richtungen mit hoher Geschwindigkeit davon. LP 40-365 bewegt sich relativ zur Sonne mit einer Geschwindigkeit von 546 Kilometern pro Sekunde. Damit ist seine Geschwindigkeit weit höher als die galaktische Fluchtgeschwindigkeit von rund 300 Kilometern pro Sekunde. LP 40-365 ist also dabei, unser Milchstraßensystem für immer zu verlassen. Dieser Umstand, die ungewöhnliche Zusammensetzung und die sehr geringe Masse von nur 14 Prozent der Sonnenmasse lassen Stephane Vennes und seine Koautoren vermuten, dass LP 40-365 der Überrest einer Supernova vom Typ Iax sein könnte. Sie explodierte vor weniger als 50 Millionen Jahren, wie es sich aus der für einen Weißen Zwerg eher geringen Oberflächentemperatur von 10 000 Grad Celsius ergibt.