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News: Einfühlsames Stochern im Sand

So mancher Strandurlauber wird sich im Sommer wünschen, er wäre ein Knutt. Diese Vogelart kann nämlich mit ihrem Schnabel Gegenstände im feuchten Sand aufspüren. So findet sie normalerweise ihre Beute, aber das Verfahren funktioniert auch mit unbelebter Materie, wie zum Beispiel Steinen - oder vergrabenen Autoschlüsseln. Nur feucht muß der Sand auf jeden Fall sein.
Wissenschaftler des Netherlands Institute for Sea Research untersuchten die Fähigkeit des Knutts, Gegenstände im Sand zu orten. Bemerkenswerterweise finden diese Watvögel sogar versteckte Steine, die mit Sicherheit keine Signale aussenden, was man von Muscheln, der Hauptnahrung des Knutt, durchaus annehmen könnte. Steine aber bewegen sich nicht, ihre Temperatur weicht nicht von der des Sandes ab, sie sind geruchlos und haben auch kein elektromagnetisches Feld. Daher können die Vögel sie nicht mit ihren normalen Sinnesorganen aufspüren. Ihr Geheimnis muß darum im Schnabel liegen, den sie bei der Suche etwa einen halben Zentimeter tief in den Sand stecken. Und im Wasser, denn zahme Knutts konnten in Experimenten mit trockenem Sand keine versteckten Steine mehr finden.

Unter der Hornschicht am Ende ihrer Schnäbel haben die Knutts Ansammlungen von zehn bis zwanzig Herbstschen Körperchen im Knochen, und diese sind empfindlich für Druckunterschiede. Wenn der Vogel seinen Schnabel bei Ebbe in den Sand steckt, produziert er aufgrund des Trägheitsmoments des Wassers in den Spalten zwischen den Teilchen eine Druckwelle. Die so erzeugten Muster verraten die Anwesenheit von Gegenständen, die größer als die Sandkörner sind. Knutts können die Störungen im Druckfeld wahrnehmen und vielleicht sogar bis zu einem bestimmten Grade verstärken. Die schnellen Auf- und Abbewegungen des Vogelschnabels lockern die Sandkörner auf, die dann zu einer engeren Packungsdichte zusammenfallen. Dabei wird das Wasser aus den Zwischenräumen verdrängt, und der Restdruck um das betreffende Objekt herum steigt an.

Die Fähigkeit der Vögel, ihre Nahrung zu orten, erklärt auch die Tatsache, daß Knutts selbst Im Watt ausreichend Futter finden, obwohl es dort nur wenig Schalentiere gibt. Nun weiß man auch, warum diese Watvögel ihr Fressen immer nur auf nassem Sand suchen – weil der Sensor in ihren Schnäbeln in trockenem Sand nämlich gar nicht funktioniert. Sobald das Wasser zu weit zurückgewichen ist und die seichten Stellen austrocknen, fliegen die Vögel daher zu jenen Orten, an denen es noch feucht ist. Die Art ihres Drucksinnes bringt es mit sich, daß Knutts im Sand nicht zwischen Steinen und Muscheln unterscheiden können. Daher verwundert es auch nicht, daß sie nie in Gebieten auf Nahrungssuche gehen, wo der Sand Steine enthält, ganz gleich, wie viele Schalentiere es dort gibt.

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