Werden wir für verschiedene Handlungen unterschiedlich stark belohnt, dann verstehen wir meist recht schnell, mit welcher Strategie wir das Beste für uns aus einer gegebenen Situation herausholen. Wie Forscher um Anna Waismeyer von der University of Washington nun herausfanden, besitzen diese Fähigkeit sogar schon Zweijährige. Allein durch Beobachten fanden sie in einem Experiment heraus, welche Taktik sie anwenden mussten, um die meisten Belohnungen zu bekommen.

Im Versuch ließen Waismeyer und ihr Team 32 ihrer kleinen Probanden zusehen, wie ein Forscher einen Holzblock auf eine kleine Box stellte. In zwei Dritteln aller Fälle wurde dadurch ein Ausgabeautomat aktiviert, der die Kinder mit kleinen Belohnungen versorgte. Ein anderer Holzblock von unterschiedlicher Form und Farbe aktivierte die Maschine dagegen nur in einem Drittel aller Versuche. Im Anschluss durften die Kleinkinder schließlich selbst mit den Holzblöcken spielen – und 23 von ihnen griffen auf Anhieb zu dem Klotz, der ihnen die meisten Belohnungen bescheren würde. Um zu prüfen, ob das vielleicht nur an der insgesamt höheren Anzahl an Belohnungen lag, modifizierten die Wissenschaftler das Experiment im zweiten Durchlauf ein wenig. Nun konnten die Kinder beobachten, wie beide Holzklötze die Maschine genau vier Mal aktivierten – der eine allerdings bei vier aus sechs Malen und der andere bei vier aus 12 Malen. Und trotzdem entschieden sich 22 Probanden wieder zielsicher für den Holzklotz, der statistisch betrachtete das bessere Ergebnis lieferte. Dass die Kleinen dabei tatsächlich mathematische Berechnungen anstellen, ist zwar unwahrscheinlich. Zumindest die Forscher schlussfolgern daraus aber: Schon Kleinkinder könnten ein unbewusstes Gespür für Wahrscheinlichkeiten besitzen.