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Evolutionäre Sackgasse: Dem Numbat wird es zu heiß

Der australische Ameisenbeutler oder Numbat hat es nicht leicht. Katzen stellen ihm intensiv nach. Und der Klimawandel heizt ihm ein. Wie lange überlebt die possierliche Art?
Ameisenbeutler
Ameisenbeutler leben nur noch in wenigen gesicherten Naturreservaten Australiens, wo sie vor Katzen sicher sind.

Vor Ankunft der Europäer und der von ihnen eingeschleppten Füchse und Katzen lebten Ameisenbeutler (Myrmecobius fasciatus), auch Numbats genannt, in weiten Teilen Süd- und Westaustraliens. Lebensraumzerstörung und die hungrigen Neuankömmlinge dezimierten ihre Zahl jedoch beträchtlich, so dass die Art nur noch in zwei kleinen Naturschutzgebieten im westlichen Teil des Landes überlebt hat. Der Klimawandel könnte ihr Überleben in freier Wildbahn zukünftig endgültig in Frage stellen, wie eine Studie von Christine Cooper von der Curtin University und ihrem Team im »Journal of Experimental Biology« andeutet: Die steigenden Temperaturen führen die Art wohl in eine evolutionäre Sackgasse.

Numbats gehören zu den tagaktiven Beuteltieren und ihre Hauptnahrung besteht aus Termiten, die sie unter Totholz und in der Erde suchen. Weil sie dabei wenig Kalorien aufnehmen, haben die Ameisenbeutler im Laufe der Zeit ein Fell entwickelt, das Wärme gut speichert. Dadurch sparen sie Energie, die sie sonst aufwenden müssten, um ihre Körpertemperatur hochzuhalten. Die zunehmende Hitze in ihrem Lebensraum sorgt inzwischen aber dafür, dass die Tiere nur noch kurze Zeiten auf Nahrungssuche gehen können, um nicht zu überhitzen. Auf die Nacht können sie dagegen nicht ausweichen, weil sich dann ihre Beute tiefer ins Erdreich zurückzieht, wo sie selbst für die langen Zungen der Numbats unerreichbar ist.

Entdeckt hat das die Arbeitsgruppe mit Hilfe von Thermoaufnahmen von 50 Ameisenbeutlern, während diese auf der Jagd waren. Gleichzeitig sammelten die Forschenden Wetterdaten wie Temperatur und Luftfeuchte in den Revieren der Tiere. Diese Daten speisten die Wissenschaftler dann in ein Computermodell, mit dem sie berechneten, wie sich die Umweltbedingungen auf die Körpertemperatur der Numbats auswirkten. An trockenen und warmen Tagen mussten die Beuteltiere die Nahrungssuche schon nach zehn Minuten in der Sonne abbrechen und sich in den Schatten zurückziehen, bis sich ihre Körperwerte wieder normalisiert hatten: Ihre Körper hatten sich schnell auf 40 Grad Celsius erhitzt.

Für die Tiere bedeutet das eine doppelte Gefahr: Sie könnten bei weiter steigenden Durchschnittstemperaturen häufiger und stärker überhitzen und daran verenden. Und das Zeitfenster, in denen sie nach Nahrung suchen, verkleinert sich. Mangels Futter könnte sich dann ihre Immunabwehr verschlechtern und sie könnten weniger Nachwuchs großziehen. Geschwächt werden sie zudem leichter zur Beute von Katzen und Füchsen.

Momentan versuchen Ökologen, die Art zu schützen und ihre Zahl zu erhöhen, indem sie diese in weiteren, von eingeschleppten Arten befreiten und mit Zäunen geschützten Reservaten ansiedeln. Cooper und Co empfehlen, jetzt schon den Klimawandel dabei zu bedenken und Reservate in momentan noch kühleren Regionen zu schaffen, etwa in höheren Lagen oder, wo mehr Schatten vorhanden ist.

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