Um die Chance zu erhöhen, selbst eine schmackhafte Mahlzeit abzugreifen, belauschen Fledermäuse Artgenossen in der Umgebung, die gerade auf der Jagd sind. Das berichten nun Forscher um Yossi Yovel von der Tel Aviv University im Fachmagazin "Current Biology". Die Wissenschaftler statteten mehrere Tiere mit kleinen GPS-Geräten und Ultraschall-Rekordern aus, anhand derer sie nachvollziehen konnten, in welchem Maß einzelne Individuen während der Nahrungssuche miteinander interagierten. Dabei deckten sie ein bestechend einfaches Prinzip auf: Um ihre Beute – vornehmlich Insekten – zu orten, stoßen Fledermäuse immer wieder Ultraschallrufe aus. Ihre Mahlzeit finden sie so aber nur, wenn diese sich in einem Umkreis von zehn Metern aufhält. Den Jagdruf anderer Artgenossen können Fledermäuse dagegen auch über eine Distanz von 100 Metern hinweg wahrnehmen – und wenn sie ihm folgen, dann bringen sie sich ebenfalls in Reichweite von Beutetieren.

Yovel und sein Team nennen diese Strategie auch den "bag of chips effect": Wenn jemand in einem dunklen Kino eine Tüte Chips öffnet, dann wissen sofort alle anderen Kinobesucher ebenfalls Bescheid, dass sich gerade jemand einen Snack gönnt, und können vermutlich auch relativ genau einschätzen, wo diese Person wohl sitzt. Genauso machen es auch Fledermäuse, wenn sie sich an den Artgenossen orientieren, die bereits etwas Essbares gefunden haben. Statt sich allein auf die Suche zu begeben, spannen die Tiere ein ganzes Netz an Sensoren auf. Am effektivsten funktioniert diese Strategie in mittelgroßen Gruppen, meinen die Forscher. So sei die Gefahr gering, dass sich am Ende zu viele Tiere gegenseitig in die Quere kommen.