Weibliche Verkäufer erzielen bei eBay schlechtere Preise als männliche – selbst wenn sie dasselbe Produkt verkaufen. Das ergab jetzt eine aktuelle Studie.

Es zeigte sich, dass Anbieterinnen mit ihren Auktionen im Schnitt bei 80 Prozent des Werts landeten, den Männer mit identischen Produkten erzielen, zumindest bei fabrikneuer Ware. Im Gebrauchtmarkt ist der Unterschied offenbar weniger ausgeprägt, hier erzielten Frauen im Schnitt Verkaufspreise in Höhe von 97 Prozent des von Männern erreichten Werts.

Die Daten ermittelten jetzt zwei israelische Forscherinnen, indem sie über eine Million Verkäufe und Auktionen aus den USA analysierten. Die Online-Verkaufsplattform hatte ihnen dafür Zugang zu internen Daten aus den Jahren 2009 bis 2012 gewährt. Tamar Kricheli-Katz von der Tel Aviv University und Tali Regev vom Interdisciplinary Center Herzliya wählten die 420 populärsten Produkte aus, suchten in den Auktionen nach auffälligen Mustern und führten auch eigene Experimente durch.

Die Forscherinnen sind überzeugt davon: Der Effekt geht ausschließlich auf das Geschlecht des Verkäufers zurück – und die typische Wahrnehmung von Männern und Frauen auf Seiten der Käufer.

Wertverlust dank Frauenname

Es zeige sich hier ein Phänomen, das sich schon in ähnlicher Form experimentell beobachten ließ. Versuchspersonen würden beispielsweise einem Text eine geringere Qualität beimessen, wenn der Autorenname weiblich ist. Auch neigen Versuchspersonen dazu, den gesellschaftlichen Status von Personen auf ihren Besitz zu übertragen. Und Frauen hätten im Allgemeinen einen geringeren Stellenwert, zum Beispiel im Berufsleben. Beides führe dazu, dass ein Produkt als weniger wert empfunden werde, wenn es mit einer Frau in Verbindung steht, argumentieren die beiden Forscherinnen.

Die Wirkung dieses Effekts demonstrierten sie mit einem kleinen Onlineexperiment. Sie ließen 116 Versuchspersonen beiderlei Geschlechts schätzen, wie viel sie für eine Amazon-Gutscheinkarte im Wert von 100 Dollar zu zahlen bereit wären. Einmal wurde der fiktive Anbieter dieser Karte "Alison" genannt, einmal "Brad". Das Ergebnis: "Brad" hätte seinen Gutschein im Schnitt für 87,42 US-Dollar losschlagen können, "Alison" nur für 83,34 Dollar. Ein vergleichbarer Unterschied im Verkaufserlös zeigte sich auch bei den realen Gutscheinverkäufen auf eBay, so Kricheli-Katz und Regev.

Profil verrät, mit wem man es (vermutlich) zu tun hat

eBay zeigt das Geschlecht eines Verkäufers allerdings nicht explizit an. Die Forscherinnen setzten darum ein weiteres Experiment auf, um zu klären, ob ein durchschnittlicher Käufer erkennen kann, dass er es mit einem weiblichen oder männlichen Verkäufer zu tun hat. Sie wählten dazu nach dem Zufallsprinzip 2000 komplette eBay-Profile aus und legten jedem ihrer 400 Teilnehmer jeweils fünf davon vor. In 701 Fällen sagten die Probanden aus, dass sie das Geschlecht nicht identifizieren könnten. In den verbliebenen Fällen ermittelten sie 1127 Mal das korrekte Geschlecht und irrten sich nur 172 Mal. In mehr als der Hälfte der Fälle war für die Probanden folglich das Geschlecht des Anbieters vergleichsweise eindeutig zu bestimmen*.

Um zu ihrem Hauptergebnis zu kommen, mussten die beiden Forscherinnen jedoch umfangreiche statistische Analysen vornehmen. Insbesondere galt es, diverse Störfaktoren herauszurechnen. So neigen beispielsweise Frauen bei der Produktbeschreibung zu einer minimal positiveren Sprache, ihre Nutzerbewertungen sind im Schnitt leicht besser, dafür sind sie geringfügig kürzer bei eBay registriert und bevorzugen einen anderen Bietermodus als Männer. Das Geschlecht des Käufers könnte sich ebenfalls auf die Ergebnisse auswirken.

Doch der finanzielle Nachteil für Frauen fand sich auch nach Berücksichtigung all dieser Störfaktoren. Dass der Unterschied im Secondhandbereich weniger stark ausgeprägt war, führen die Wissenschaftlerinnen darauf zurück, dass Frauen mehr Ehrlichkeit bei der Produktbeschreibung unterstellt werde als Männern. So könnten die Anbieterinnen ihren Nachteil immerhin fast kompensieren.

Kategoriale Unterschiede

Einen auffälligen Einflussfaktor streifen die beiden Forscherinnen jedoch bislang nur am Rand: die Produktkategorien. Während Frauen bei "Uhren & Schmuck" besonders benachteiligt waren, hatten sie bei "Spielzeug & Hobby" hingegen die Nase vorn. Wirkt sich dies auf das Gesamtergebnis aus? Eine systematische Verzerrung durch die Produktkategorien konnten die Wissenschaftlerinnen nicht erkennen. Weder die Zahl der jeweiligen Auktionen noch die Zugehörigkeit eines Produkts zur Männer- oder Frauendomäne erklärten die Unterschiede.

Dennoch ist nicht ausgeschlossen, dass sich Männer und Frauen bevorzugt in jeweils anderen Produktbereichen tummeln und dass sich dies über einen übersehenen Aspekt doch noch auf die Gesamtstatistik auswirkt. In künftigen Studien wollen die beiden Forscherinnen auf die Suche nach Erklärungen für die Unterschiede im Merkmal Produktkategorie gehen.

Die Ergebnisse gälten für einen Marktplatz, bei dem die Geschlechteridentität noch nicht einmal besonders kenntlich gemacht werde, resümieren die Wissenschaftlerinnen. Bei anderen Gelegenheiten sei der Nachteil für Frauen vermutlich sogar noch größer.

* Diese Passage wurde zur Verdeutlichung ergänzt. Die angegebenen Zahlen entsprechen denen, die die Autorinnen nennen. Es ergibt sich dabei allerdings eine unerklärte Differenz von 2 gegenüber der Gesamtsumme an untersuchten Profilen, die am Endergebnis allerdings nicht viel ändern würde.