Mit dem Zehn-Meter-Teleskop Keck-II auf dem Mauna Kea auf Hawaii beobachtete ein Forscherteam um Imke de Pater von der University of California in Berkeley eine heftige vulkanische Eruption auf dem Jupitermond Io. Die Beobachtungen gelangen am Abend des 15. August 2013 mit Hilfe der Infrarotkamera NIRC2, die mit einer adaptiven Optik zur Ausschaltung der Luftunruhe gekoppelt ist. Die Forscher bestimmten die Wärmeflüsse im Infraroten bei Wellenlängen von 1,6 bis 4,05 Mikrometern und stellten dabei fest, dass die vom Vulkan Rarog Patera ausgestoßene Lava ungefähr 1000 Grad Celsius heiß ist und sich über ein Areal von rund 30 Quadratkilometern verteilt. Die Eruption setzte rund fünf Terawatt an thermischer Leistung frei – weit mehr als die größten irdischen Kraftwerke.

Vulkanausbruch auf Jupitermond Io
© NASA, JPL / University of Arizona
(Ausschnitt)
 Bild vergrößernVulkanausbruch auf dem Jupitermond Io

Die zeitliche Verfolgung der Wärmeflüsse deutet auf einen sehr lebhaften Ausbruch hin. Wahrscheinlich wirft der Vulkan entlang einer Bodenspalte Feuerfontänen aus glutflüssiger Lava mehrere Kilometer hoch aus. Ähnliche Ausbrüche wurden bereits in den Jahren 1995 bis 2003 von der Jupitersonde Galileo beobachtet. Auf der Erde steigen Lavafontänen maximal etwa 1000 Meter empor, während auf Io mit seiner erheblich geringeren Schwerkraft und einer fehlenden Atmosphäre die Lavafetzen in sehr viel größere Höhen gelangen können, bevor sie auf den Boden zurückfallen. Um mehr über die derzeitige Aktivität auf Io zu erfahren, ermuntern die Forscher um de Pater andere Astronomen zu Folgebeobachtungen. Daraus lässt sich dann der zeitliche Verlauf des Ausbruchs dokumentieren. Der Vulkan Rarog Patera befindet sich im Koordinatennetz von Io bei 304 Grad westlicher Länge und 42 Grad südlicher Breite.

Das Umfeld von Rarog Patera
© NASA, JPL / University of Arizona
(Ausschnitt)
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Vulkanische Aktivitäten sind auf dem Jupitermond an der Tagesordnung, derzeit sind mehr als 100 lavaspeiende Berge bekannt. Große Ausbrüche, wie der jetzt von de Pater und Kollegen beobachtete, ereignen sich jedoch meist nur in Abständen von mehreren Jahren. Die extreme geologische Tätigkeit des innersten großen Jupitermonds geht auf Gezeiteneinflüsse der äußeren Nachbarmonde Europa und Ganymed zurück. Sie begünstigen, dass das Innere von Io ständig vom starken Schwerefeld des Jupiter "durchgewalkt" werden kann, wodurch große Mengen an Reibungshitze entstehen, die den Mond extrem aufheizen. Io wird von manchen Planetenforschern auch als Welt bezeichnet, die "geologisch Amok läuft".