Der Evolutionsforscher Michael Gillings von der Macquarie University in Australien hat im Fachjournal Evolutionary Applications eine Theorie darüber aufgestellt, warum sehr viele Frauen in den Tagen vor ihrer Monatsblutung unter dem "prämenstruellen Syndrom" (PMS) leiden. Betroffene haben Unterleibs- oder Kopfschmerzen, sind gereizt und fühlen sich allgemein unwohl. Eine biologische Erklärung für das Syndrom fehlt noch – Gillings vermutet nun aber, dass im Laufe der Evolution des modernen Menschen den Nebeneffekt gehabt haben könnte, längere unfruchtbare Paarbeziehungen leichter beenden zu können. Die Neigung zu PMS habe damit einen Vorteil gehabt und sich häufiger vererbt.

Der Forscher weist darauf hin, dass erst in modernen Zeiten sehr häufige und regelmäßige Regelblutungen bei Frauen zum Normalfall geworden sind. Früher bekamen Frauen dagegen viel häufiger mehrfach hintereinander Kinder. Womöglich, so der Forscher, schwäche die daher seltenere PMS-bedingte psychologische Belastung dann die Beziehung zum aktuellen Partner drastischer als heute wahrgenommen – und zwar monatlich wiederholt, solange die Frau nicht schwanger war. Dies traf dann kinderlose Paarbeziehungen häufiger, rechnet der Forscher vor – und sorgte vielleicht auch häufiger für ein Ende der fruchtlosen Beziehung. Damit würden sich am Ende vielleicht Frauen mit PMS insgesamt häufiger fortgepflanzt haben, weil sie schneller von weniger fruchtbaren Partners getrennt hätten, vermutet Gillings. Vielleicht helfe diese "evolutionäre Betrachtungsweise, das PMS heute zu depathologisieren", hofft der Forscher.