Vor wenigen Tagen machte ein Satellitenbild die Runde, auf dem ganz Island in Weiß gehüllt war – bis auf die Lavafelder rund um den Vulkan Bardarbunga. Doch der Eindruck täuscht ein bisschen: Auch auf der Atlantikinsel ist der globale Wandel angekommen und schrumpfen die Gletscher und Eisschilde wie der Vatnajökull. Und das hat Folgen, wie Kathleen Compton von der University of Arizona in Tucson mit ihren Kollegen messen konnte: Seit 30 Jahren hebt sich Island weiter aus dem Meer; an manchen Stellen wie im Süden des Eilands sogar um mehr als 35 Millimeter im Jahr – ein rekordverdächtiger Wert, der die Geologen überraschte.

Grund dafür ist ein Prozess, den Geologen als Isostasie bezeichnen: Das Gewicht der Gletscher drückt die kontinentale Erdkruste tiefer in den Erdmantel und schmilzt das Eis, damit wird der Untergrund entlastet und das relativ leichte Krustenmaterial steigt auf – und genau das kann man auf Island beobachten. Der Aufstieg begann demnach zwar schon mit Ende der Eiszeiten, während der ganz Island unter Gletschern versank. Doch in den letzten 20 Jahren hat sich die Hebung beschleunigt – seit 1995 schmelzen die Gletscher rascher ab –, was mit den überdurchschnittlich stark steigenden Temperaturen in diesem Zeitraum zusammenhängt. "Je schneller das Eis schwindet, desto stärker fällt der Auftrieb aus", so Compton. Fünf der größten Gletscherfelder Islands finden sich im Süden und im Zentrum der Insel, kein Wunder also, dass hier der größte Massenverlust auch die stärkste Reaktion der Kruste bewirkt. Die sinkende Eislast gilt zudem als eine mögliche Erklärung, warum isländische Vulkane in den letzten Jahren wieder aktiver wurden.