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ISS: Maurer startet zu erstem Außeneinsatz im All

Astronaut Matthias Maurer ist heute in den freien Kosmos ausgestiegen. Der mehrstündige Weltraumspaziergang sei gefährlich und sehr anstrengend. Die ESA bietet dazu einen Livestream.
Außeneinsatz an der ISS

Als vierter Deutscher ist ESA-Astronaut Matthias Maurer heute zu einem Außeneinsatz an der Internationalen Raumstation ISS in den freien Kosmos ausgestiegen. Die Mission kann im Livestream der ESA ab 12:30 Uhr MEZ verfolgt werden.

Bei dem etwa sechseinhalbstündigen Einsatz rund 400 Kilometer über der Erde soll Maurer zusammen mit dem US-Amerikaner Raja Chari Wartungsarbeiten übernehmen. Unter anderem ist geplant, neue Schläuche an einem Kühlsystem anzubringen, eine Kamera auszutauschen sowie Strom- und Datenverbindungen an der externen europäischen Forschungsplattform Bartolomeo zu setzen.

»Es wird ein großes Highlight meines Raumflugs«Matthias Maurer, ESA-Astronaut

»Das ist sehr aufregend, und ich freue mich wirklich darauf«, hatte Maurer im Vorfeld in einem kurzen Video gesagt, das die Europäische Raumfahrtagentur ESA veröffentlichte. »Es wird ein großes Highlight meines Raumflugs.« Chari und er würden an unterschiedlichen Stellen der ISS arbeiten, sagte Maurer. Er selbst werde bei den Arbeiten laut Plan »fast die gesamte Raumstation entlangwandern«, so dass einige Menschen schon gewitzelt hätten, dass er seinen Pass mitnehmen solle.

Maurer war am 11. November 2021 mit drei Kollegen der US-Raumfahrtbehörde NASA in einem US-Raumschiff zur ISS geflogen, wo er noch bis Ende April bleiben soll. Der 52-jährige Saarländer ist der zwölfte Deutsche im All und der vierte auf der ISS. Auch seine drei Vorgänger auf dem Außenposten der Menschheit hatten einen akribisch geplanten und körperlich anstrengenden Außeneinsatz absolviert: Thomas Reiter (2006), Hans Schlegel (2008) und Alexander Gerst (2014). Reiter bezeichnete seinen Einsatz später als »absoluten Höhepunkt« – »näher kann man dem Weltraum nicht kommen«. Gerst sprach vom »abgelegensten Arbeitsplatz der Welt«.

Auch der Außeneinsatz von Maurer könne als einer der Höhepunkte von dessen Mission angesehen werden, sagte Europas früherer Raumfahrtchef Jan Wörner der Deutschen Presse-Agentur im Vorfeld. Die Wartungsarbeiten seien kein Spaziergang und nicht nur gefährlich, sondern auch sehr anstrengend. »Die ersten so genannten EVAs wurden im Kalten Krieg durchgeführt, um Leistungsfähigkeit zu zeigen. Der allererste Einsatz von Alexej Leonow 1965 wäre beinahe in einer Katastrophe geendet, da er nur mit Mühe wieder in die Kapsel kam.«

Heute hätten solche Einsätze einen sachlichen Sinn. »Das ist weder Prestige noch Abenteuer. Es geht immer um spezielle Aufgaben, die von außerhalb an der ISS durchgeführt werden müssen und nicht von dem robotischen Arm erledigt werden können«, erklärte Wörner, der von 2015 bis Februar 2021 die Europäische Raumfahrtbehörde ESA in Paris leitete.

Maurers US-amerikanischer Raumanzug ist trotz niedrigeren Drucks im Inneren relativ steif – gegen diesen Widerstand müssen Astronauten bei Außeneinsätzen stets arbeiten. Das macht die Mission im freien Kosmos zusätzlich anstrengend. Beispiel Handschuhe: Bei den nötigen feinmotorischen Bewegungen an der Außenhaut der ISS arbeite man mit der Hand wie gegen den Widerstand eines Tennisballs an, schildern Raumfahrer. Zudem müssen die Astronauten eine Zeit lang reinen Sauerstoff atmen, um Stickstoff aus dem Blut zu spülen. Sonst droht die so genannte Taucherkrankheit. Damit die Leitzentrale die beiden Raumfahrer auf dem Bildschirm gut unterscheiden kann, trägt Chari rote Streifen am weißen Raumanzug. Maurer wird als zweites Mitglied der Außenbordmannschaft (EV 2) einen Anzug ohne Streifen tragen.

»Die Raumfahrt hat in der Vergangenheit irdische Konflikte überbrückt – die ISS steht dafür als Symbol«Jan Wörner, früherer ESA-Chef

Der Außeneinsatz findet inmitten schwerster Spannungen zwischen Russland und dem Westen angesichts des Ukraine-Kriegs statt. Zumindest vorerst haben sich die US-Raumfahrtbehörde NASA und die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos aber zum weiteren gemeinsamen Betrieb der ISS bekannt. Neben Maurer und Chari sind derzeit noch die Russen Anton Schkaplerow und Pjotr Dubrow und die US-Amerikaner Mark Vande Hei, Thomas Marshburn und Kayla Barron an Bord der ISS stationiert. Am Freitag waren die drei Russen Oleg Artemjew, Denis Matwejew und Sergej Korssakow dazugekommen.

Es sei gut, dass die ISS auch in schwierigen politischen Zeiten Astronauten aus verschiedenen Ländern friedlich vereine, sagte der frühere ESA-Chef und jetzige Präsident der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften Wörner. »An Bord sind Russen, Amerikaner und ein Europäer: Matthias Maurer aus dem Saarland. Raumfahrt hat in der Vergangenheit irdische Konflikte überbrückt – die ISS steht dafür als Symbol.« dpa/AnL

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