Als am 18. Oktober 2017 das 1,8-Meter-Teleskop PanSTARRS-1 auf dem Haleakala auf der Hawaii-Insel Maui das Objekt CK17U010 aufspürte, war es zunächst nichts Besonderes. Das Teleskop durchsucht jede Nacht den Himmel nach beweglichen Objekten wie Kometen oder Asteroiden, und es findet praktisch täglich bislang unbekannte Himmelskörper. Aber bald zeigten erste Berechnungen der Bahn von CK17U010 etwas Ungewöhnliches: Statt einer lang gezogenen Ellipse ergaben die Rechnungen, dass sich der Himmelskörper mit hoher Geschwindigkeit durch das Sonnensystem bewegt, auf einer offenen Kurve, die Experten Hyperbel nennen. Der Brocken befindet sich also nicht im Umlauf um unsere Sonne und wird unser Sonnensystem rasch wieder verlassen.

Die Bahn von A/2017 U1 durch das Sonnensystem (ekliptikale Ansicht)
© NASA / JPL-Caltech / SSD
(Ausschnitt)
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Beim Blick auf die Bahn von A/2017 U1 durch das Sonnensystem zeigt sich, dass der Himmelskörper die Ebene der Planetenbahnen mit hoher Neigung durchläuft. Die Blickrichtung liegt innerhalb der Erdbahnebene, der Ekliptik.

Zunächst nahmen die Astronomen an, dass der kleine Himmelskörper der erste Komet sein könnte, der aus dem interstellaren Weltall von jenseits der Sonne stammt, und gaben ihm die offizielle Bezeichnung C/2017 U1 (PANSTARRS). Beobachtungen mit einem der 8,2-Meter-Teleskope des Very Large Telescope der Europäischen Südsternwarte ESO in Chile mit langer Belichtungszeit enthüllten aber keinerlei Aktivität, wie sie für Kometen typisch ist. C/2017 U1 weist also keine Schweife auf und ist auch nicht von einer Koma, einer ausgedehnten Hülle aus Gas und Staub, umgeben. Stattdessen erscheint der Himmelskörper auf den Bildern als ein sehr leuchtschwacher, sternähnlicher Punkt. Daher änderte das Minor Planet Center (MPC) in Cambridge, USA, die Bezeichnung zu A/2017 U1, wobei "A" für Asteroid steht. Das MPC ist diejenige astronomische Institution, welche die Entdeckungen von Kometen und Asteroiden offiziell registriert und dokumentiert.

Aufsicht auf die Bahn von A/2017 U1 (Blick von Norden)
© NASA / JPL-Caltech / SSD
(Ausschnitt)
 Bild vergrößernAufsicht auf die Bahn von A/2017 U1
Blickt man von Norden auf die Ebene der Planetenbahnen, lässt sich die gekrümmte Hyperbelbahn von A/2017 U1 erkennen, hier blau und türkisfarben dargestellt. Am 14. Oktober 2017 erreichte der Himmelskörper seinen geringsten Abstand zur Erde, blieb zunächst aber unbemerkt.

Astronomen schätzen die Größe von A/2017 U1 auf nur etwa 160 Meter, was seine geringe Helligkeit am Himmel erklärt. Bereits am 9. September hatte das Objekt unsere Sonne in einer Entfernung von 37,6 Millionen Kilometern passiert – das entspricht rund einem Viertel der Distanz Erde-Sonne. Rückrechnungen seiner Bahn am Himmel ergaben, dass er aus Richtung des Sternbilds Leier kommend, nicht weit von dessen Hauptstern Wega entfernt, in unser Sonnensystem eintrat und sich derzeit mit rund 26 Kilometer pro Sekunde durch dieses bewegt. Auch seine dichteste Annäherung von 24 Millionen Kilometern an die Erde am 14. Oktober blieb unbemerkt, erst vier Tage später ging A/2017 U1 dem Teleskop PanSTARRS-1 ins Netz. Das liegt auch daran, dass die Bahn von A/2017 U1 mit 122 Grad extrem stark gegen die Erdbahnebene, die Ekliptik, geneigt ist. Zudem bedeutet eine Neigung von mehr als 90 Grad, dass der Himmelskörper die Sonne entgegen dem Umlaufsinn der Planeten passierte.

Astronomen müssen nun weitere Beobachtungen und Positionsbestimmungen durchführen, um die Berechnungen der Bahn von A/2017 U1 zu präzisieren. Schon jetzt steht fest, dass er unser Sonnensystem auf Nimmerwiedersehen verlassen und wieder in den interstellaren Raum vordringen wird. Sollte sich anhand weiterer Messdaten endgültig belegen lassen, dass sich der Himmelskörper auf einer Hyperbel durch das Sonnensystem bewegt hat, hätten wir mit ihm den ersten Besucher aus dem interstellaren Weltraum gesichtet.