Ein Forscherteam um Andrzej Udalski an der Universität Warschau untersuchte das System OGLE-2013-BLG-0723, das durch eine Mikrogravitationslinse entdeckt wurde. Dabei wanderte das System vor einem weit entfernten Stern im Hintergrund vorbei. Es hellte ihn für eine kurze Zeit auf, da seine Schwerkraft wie eine riesige Linse das Licht des Hintergrundsterns sammelte. Entdeckt wurde OGLE-2013-BLG-723 im Rahmen des Optical Gravitational Lensing Experiment (OGLE), das mit dem 1,3-Meter-Warschau-Teleskop auf dem Berg Las Campanas in Chile systematisch Ausschau nach solchen Mikrolinsen hält.

Exoplanet mit drei Exomonden, künstlerische Darstellung
© René Heller
(Ausschnitt)
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Drei Monde umkreisen in dieser künstlerischen Darstellung einen orangefarbenen Exoplaneten. Solche Trabanten könnten lebensfreundliche Bedingungen aufweisen. Ihre Klimaeigenschaften hängen unter anderem von der Bestrahlung durch den Stern und durch den Planeten sowie von der Gezeitenheizung ab.

Am 12. Mai 2013 registrierten die Computer von OGLE, das ein Stern in seinem Sichtfeld in Richtung der galaktischen Aufwölbung (Bulge) merklich heller geworden war. Die Aufhellung dauerte nur rund einen Tag, wobei der Stern um bis zu 40 Prozent heller wurde. Sieben Wochen später folgte diesem Ereignis eine wesentlich stärkere Aufhellung, wobei der Hintergrundstern um einen Faktor 10 heller wurde. Schon nach dem ersten Ereignis wurde das System rund um die Uhr mit möglichst hoher zeitlicher Auflösung beobachtet. Der Nachteil des Mikrolinsenverfahrens ist nämlich, dass sich die Messungen für ein bestimmtes Objekt niemals wiederholen lassen, man ist also auf die Daten angewiesen, die bei den Erstbeobachtungen gewonnen wurden.

Aus der sich dabei ergebenden Lichtkurve, also der Auftragung der Helligkeit des Hintergrundsterns gegen die Zeit, konnten die Forscher den Aufbau der Gravitationslinse entschlüsseln. Sie stellten fest, dass OGLE-2013-BLG-0723 aus einem massearmen Roten Zwerg mit etwa zehn Prozent der Sonnenmasse und einem Braunen Zwerg mit etwa drei Prozent der Sonnenmasse besteht. Außergewöhnlich ist, dass der Braune Zwerg wiederum einen Begleiter hat, der etwa 70 Prozent der Erdmasse aufweist. Damit hat er etwas weniger Masse als die Venus in unserem Sonnensystem mit 0,8 Erdmassen, er dürfte wohl auch etwa die Größe der Venus haben.

Das System ist etwa 1600 Lichtjahre von uns entfernt. Zum Zeitpunkt der Beobachtung trennte den Stern und den Braunen Zwerg das 1,75-Fache des Abstands Erde-Sonne. Der Begleiter des Braunen Zwergs war etwa das 0,34-Fache des Abstands Erde-Sonne von seinem Muttergestirn entfernt. Das Massenverhältnis vom Trabanten zum Braunem Zwerg beträgt 6,6 x 10-5, vergleichbar etwa mit demjenigen vom Jupitermond Kallisto zu Jupiter selbst. Die Forscher um Udalski fragen sich daher, ob sie nun einen extrasolaren Planeten oder einen Exomond entdeckt haben. Interpretiert man OGLE-2013-BLG-0723 als ein Doppelsternsystem, in dem nur eine Komponente genug Masse aufsammeln konnte, um als Stern zu leuchten, dann wäre der Trabant ein Planet. Sieht man dagegen den Braunen Zwerg als einen Planeten im Umlauf um den Roten Zwerg an, dann wäre es ein Exomond. Allerdings ist ein Brauner Zwerg mit rund 30 Jupitermassen eigentlich zu massereich, um als ein Planet zu gelten.