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Kosmische Nachbarschaft

Keimzelle Schwarzer Super-Löcher aufgespürt

Versteckt in einer Gaswolke fanden Astronomen ein kurioses Objekt - es könnte erklären, wie das extrem massereiche Schwarze Loch im Herzen der Milchstraße entstand.
Vor dem Ereignishorizont

Das extrem massereiche Schwarze Loch im Zentrum der Milchstraße ist nicht allein: Nur 200 Lichtjahre von ihm entfernt haben Fachleute nun ein zweites Schwerkraftmonster entdeckt. Verglichen mit dem etwa vier Millionen Sonnenmassen schweren Sagittarius A* ist das neu entdeckte Schwarze Loch eher ein Winzling: Nach ersten Schätzungen des Teams um Tomoharu Oka von der Keio University in Yokohama wiegt es etwa 100 000 Sonnenmassen. Wie die Arbeitsgruppe in "Nature Astronomy" berichtet, ist das Objekt durch eine Gaswolke verhüllt, es verrät sich jedoch durch die kuriose Geschwindigkeitsverteilung der Moleküle: Ein sehr schweres Objekt wirbelt die Wolke durcheinander. Nun jedoch haben Oka und seine Kollegen den genauen Ort innerhalb der Wolke identifiziert, an dem die Masse konzentriert ist – und berechnen, dass das Objekt mindestens 100-fach dichter ist als der dichteste bekannte Sternhaufen. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass es sich tatsächlich um ein Schwarzes Loch handelt.

Der Fund könnte weit reichende Konsequenzen haben. Das Objekt in der Gaswolke befindet sich im noch wenig bekannten Massenbereich der intermediären Schwarzen Löcher. Weit massereicher als stellare Schwarze Löcher, die beim Kollaps von Sternen entstehen, sind sie doch deutlich kleiner als die extrem massereichen Schwarzen Löcher im Zentrum von Galaxien. Letztere kommen auf Millionen bis Milliarden Sonnenmassen. Die intermediären Schwarzen Löcher könnten allerdings erklären, wie die Schwerkraftmonster im Kern der Galaxien so groß wurden: Sollte es im Universum reichlich dieser mittelgroßen Löcher geben, würde das die wichtigste Hypothese über den Ursprung der Giganten stützen. Demnach verschmelzen kontinuierlich Schwarze Löcher zu immer massereicheren Objekten – das würde aber bedeuten, dass es intermediäre Schwarze Löcher zwischen den beiden Typen geben muss. Bisher allerdings ist es niemandem gelungen, ein Schwarzes Loch in diesem Massenbereich sicher nachzuweisen.

36/2017

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 36/2017

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