Mit Wanddicken von bis zu zwei Zentimetern, ein paar Abdrücken geflochtener Schnüre als Zier und ihrem stumpfen, brüchigen Material wirken sie nicht gerade wie eine Kostbarkeit. Die Töpferwaren, die Forscher aus der Yuchanyan-Höhle in der chinesischen Provinz Hunan bargen, sind noch roh und plump, doch es sind die ältesten der Welt.

Gefäß aus der Yuchanyan-Höhle
© Hunan Provincial Museum
(Ausschnitt)
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Lange bevor im "Fruchtbaren Halbmond" des östlichen Mittelmeerraums die Menschen neben Ackerbau und Viehzucht auch Töpferei zu erlernen begannen, unternahmen bereits kleine Jäger-und-Sammler-Gruppen in Japan, China und dem angrenzenden Russland erste Gehversuche in Sachen Gefäßherstellung. Als typische Altsteinzeitler hinterließen sie ihre Spuren in witterungsgeschützten Höhleneingängen und Felsvorsprüngen – die sprichwörtlichen Höhlenmenschen am Töpferofen statt am Lagerfeuer.

Ein Team um Elizabetta Boaretto von der israelischen Bar-Ilan-Universität in Ramat Gan und Xiaohong Wu von der Universität Peking hat jetzt erstmals einen der Gefäßfundplätze peinlich genau analysiert und neu datiert. Das Alter von 18 000 Jahren, auf das sie die Fragmente schließlich bestimmen konnten, übersteigt sogar noch die großzügigsten Schätzungen ihrer Kollegen. Auf 10 000 bis 16 000 Jahren hatten erste Datierungsversuche gelautet.

Denn dass Ostasiaten so viel früher mit der Erfindung aufwarteten, ist schon seit Jahren bekannt. Scherben waren an den charakteristischen Fundorten zusammen mit Feuersteinklingen und den Knochen von Jagdwild aufgetaucht. Vor allem Japan galt daraufhin als Wiege der Töpferkunst: Die dortige Jômon-Kultur begann vor 13 000 bis 14 000 Jahren mit der Gefäßherstellung.

Doch wie viele Jahrtausende genau solche Überbleibsel im Erdreich lagen, gibt Forschern Rätsel auf: Die Radiokarbonmethode, die den Zerfall des radioaktiven Kohlenstoffisotops 14C misst, versagt bei einem anorganischen Material wie Ton. Nur auf dem Umweg über Knochen oder Holzkohle können Archäologen auf das Scherbenalter schließen.

Extreme Sorgfalt bei der Datierung

Leider sind die Erhaltungsbedingungen für organisches Material in den kalzitreichen Böden vor Ort nicht sonderlich gut, und zum anderen wurden die Höhlen von zigtausenden Generationen aufgesucht, die allesamt als Hersteller in Frage kämen. Irgendwo in diesem meterdicken Marmorkuchen aus ineinandergreifenden Erd-, Kohle- und Lehmschichten befinden sich heute die Scherben. Entsprechend umstritten sind bisherige Datierungen.

Als jetzt Boaretto und Co einen Schnitt durch den Höhlenboden legten, tauchten nebenbei noch weitere Fragmente auf; ein 29 Zentimeter hoher Becher fügt sich aus den in Yuchanyan gefundenen Teilen zusammen. Mit 400 bis 500 Grad Celsius wurde die Keramik noch bei eher niedrigen Temperaturen gebrannt, zeigt allerdings bereits alle notwendigen Schritte der Tonbearbeitung – inklusive Abmagern des Grundstoffs und Trocknen vor dem Brandvorgang.

Boaretto und Wu ließen vor allem in Datierungsfragen größte Sorgfalt walten. An ihrer Grabungsstelle "gibt es keine Störungen in den Sedimenten", erklärt Boaretto, "und die Übereinstimmung zwischen den Datierungen und der Schichtfolge ist sehr gut." Die Scherben wurden also nicht von einem unvorsichtigen Altsteinzeitler in tiefere Lagen getreten oder durch Wasser dorthin geschwemmt. Die Zeitreihe, welche die Forscher für alle Schichten jeweils über und unter den Fragmenten erstellten, ist eindeutig.

Anstatt möglichst viel Material der Isotopenanalyse zu unterziehen, siebten sie von über einhundert Proben organischen Materials all diejenigen im Labor aus, bei denen sich beispielsweise in der Spektralanalyse Verunreinigungen durch Lehm zeigten. Die verbleibenden 29 Objekte ließen die Wissenschaftler schließlich datieren.

Ob nun die Gegend um die Yuchanyan-Höhle angesichts der Befunde die japanischen Zentren als Ausgangspunkt der Keramikherstellung ablöst oder ob hier nur lediglich die bislang ältesten Scherben auftauchten, kann durch die Forschung des israelisch-chinesischen Teams nicht beantwortet werden. Vielleicht entwickelte sich die Technologie selbst in Ostasien an mehreren Orten parallel.

Auch die Bewohner der Yuchanyan-Höhle gaben schließlich ihre unstete Lebensweise auf und zogen in die fruchtbare Jangtse-Ebene. Etwa ab dem Jahr 8000 v. Chr. begannen sie dort Reis anzubauen. Die so genannte Pengtoushan-Kultur gilt bereits als typisch neolithisch.

Die Umstellung von einer Lebensweise zu einer anderen habe sich womöglich wesentlich langsamer vollzogen als etwa im östlichen Mittelmeergebiet, sagte Gideon Shelach von der Hebräischen Universität in Jerusalem zu "Nature". Ältere Grabungen hätten darauf bereits hingedeutet. Dass Töpferwaren schon Jahrtausende früher hergestellt wurden als bislang angenommen, fügt sich in dieses Bild natürlich hervorragend ein.