Die Bewegung unserer Galaxis und ihrer Nachbarn durch den Kosmos hängt von der Verteilung der Massen in unserer intergalaktischen Umgebung ab. Nun hat eine Arbeitsgruppe um den Astrophysiker Yehuda Hoffman von der Hebräischen Universität Jerusalem ein riesiges Loch im Universum gefunden, das uns von sich wegschiebt. Das Team analysierte die Bewegungsrichtungen und Geschwindigkeiten der Galaxienhaufen im nahen Universum und kommt zu dem Ergebnis, dass zwei gigantische Strukturen eine Art Gravitations-Dipol bilden, der die großräumige Bewegung aller Materie in seinem Einflussbereich bestimmt. Einerseits zieht eine bereits bekannte Region mit sehr hoher Massendichte in einer Milliarde Lichtjahren Entfernung die Galaxiencluster an sich, andererseits gibt der neu entdeckte gigantische Leerraum in etwa 750 Millionen Lichtjahren Entfernung der Milchstraße quasi einen Schubs.

Schematische Darstellung des kosmischen Dipols samt Galaxienkonzentrationen und Strömungsrichtungen
© Yehuda Hoffman, Daniel Pomarede, R. Brent Tully, Helene Courtois / Irfu – CEA
(Ausschnitt)
 Bild vergrößernKosmischer Dipol
Ein gigantischer Leerraum schiebt die Galaxiencluster unserer kosmischen Nachbarschaft vor sich her; der sehr massereiche Shapley-Cluster im Vordergrund zieht sie zu sich hin. Die Strukturen bestimmen die Bewegungsrichtungen der Galaxien. Der schwarze Punkt im Zentrum markiert die Position der Lokalen Gruppe samt unserer Milchstraße.

Die Drift der Lokalen Gruppe zum so genannten großen Attraktor im Norma-Galaxiencluster ist im Vergleich dazu nur eine lokale Bewegung innerhalb des Superclusters Laniakea, an dessen Rand die Milchstraße liegt. Der Gravitations-Dipol dagegen bestimmt die Bewegungen von Laniakea selbst, das etwa in der Mitte zwischen dem Leerraum einerseits und dem extrem massereichen Shapley-Attraktor andererseits liegt. Der Leerraum übt zwar keine Schubkraft im eigentlichen Sinn aus, durch seine geringere Massendichte im Vergleich zum Rest des Universums bewegen sich die Strukturen in seiner Umgebung aber von ihm weg – als würde er sie abstoßen. Die Galaxien bewegen sich über sehr große Distanzen, so die Analyse von Hoffman und seiner Arbeitsgruppe, entlang von Strömungen, die den Feldlinien eines Stabmagneten ähneln.