Antibiotika und Hormone in der Umwelt behindern vermutlich Insektenlarven in der Entwicklung. Das legt eine Untersuchung nahe, bei der eine Arbeitsgruppe um John T. Trumble von der University of California Larven der Aschgrauen Höckereule (Trichoplusia ni) mit verschiedenen Wirkstoffen fütterte. In den Experimenten starben doppelt so viele der Tiere, wenn die von ihnen angeknabberten Tomatenpflanzen mit antibiotika- oder hormonhaltiger Lösung gegossen wurden. In Experimenten mit wirkstoffhaltigem künstlichen Futter war dieser Effekt sogar noch deutlicher. Das Team verwendete Wirkstoffkonzentrationen, die nach seinen Angaben auf gemessenen Konzentrationen in US-amerikanischen Oberflächengewässern basieren. Die Werte sind allerdings um das Zehn- bis um mehr als das Hundertfache höher als in Deutschland und Europa gemessene Konzentrationen.

Medikamente in der Umwelt, speziell in Gewässern, sind ein länger bekanntes Problem, dessen Folgen für die Umwelt jedoch erst unvollständig erforscht sind. Menschen scheiden nach Untersuchungen bis zu drei Viertel eines eingenommenen Medikaments unverändert wieder aus, so dass die Wirkstoffe übers Abwasser in die Umwelt gelangen. Bisher kann man das nicht verhindern. Wichtige Stoffe in Oberflächengewässern sind unter anderem Antibiotika, die nicht nur aus der Humanmedizin, sondern auch aus der Landwirtschaft in die Umwelt gelangen, und die Bestandteile hormoneller Verhütungsmittel. Letztere ähneln chemisch dem Häutungshormon Ecdyson.

Das Team um Trumble verwendete Ciprofloxacin, Lincomycin und Oxytetracyclin als stellvertretende Antibiotika, dazu vier verschiedene Östrogen-Abkömmlinge als Hormone. In den Versuchen mit künstlichem Futter zeigten die untersuchten Nachtfalterlarven deutliche Effekte auf Sterblichkeit und Entwicklungsdauer durch diese Wirkstoffe – und noch stärkere in Kombination beider Medikamententypen. Fraßen die Tiere dagegen von Tomaten, die mit Wirkstofflösung gewässert wurden, waren die Befunde weniger deutlich und teils widersprüchlich. Die Arbeitsgruppe sieht in den Ergebnissen vor allem ein Indiz, dass grob geklärtes Abwasser mit seinen höheren Wirkstoffkonzentrationen für die Bewässerung von Nutzpflanzen problematisch sein könnte.