Er soll weit draußen, jenseits von Pluto, seine Bahnen ziehen und Tausende von Jahren benötigen, um die Sonne auf seiner stark elliptischen Bahn einmal zu umkreisen. Seit Planet Neun – auch Planet X genannt – vor einem Jahrhundert vom Astronomen und Observatoriumsgründer Percival Lowell ins Spiel gebracht wurde, regt er die Fantasie der Wissenschaftler an. Direkte Belege seiner Existenz fehlen zwar, doch mehren sich seit einiger Zeit indirekte Hinweise. Das gilt auch für eine neue Studie von Julia de León vom Instituto de Astrofísica de Canarias und ihren Kollegen in den "Monthly Notices of the Royal Astronomical Society". Sie betrachten darin die Bahndaten und Zusammensetzung der Asteroiden 2004 VN112 und 2013 RF98. Wahrscheinlich haben diese den gleichen Ursprung, denn sie gleichen sich chemisch und weisen einen ähnlichen Orbit um die Sonne auf.

Demnach bildeten die beiden Objekte einst wohl ein Doppelasteroidensystem, das sich um einen gemeinsamen Schwerpunkt bewegte. Seitdem haben sie sich aber voneinander fortbewegt. Nach mehreren tausend Modelldurchläufen schließen de Léon und Co, dass sie von einem Himmelskörper mit der 10- bis 20-fachen Masse der Erde auseinandergezerrt wurden. Die Masse entspräche jener, die für den mysteriösen Planeten angenommen wird. Das Asteroidenpärchen wurde den Berechnungen zufolge vor etwa fünf bis zehn Millionen Jahren getrennt. Das Ergebnis von de Léon und ihrem Team geht jedenfalls in eine ähnliche Richtung wie die vorherigen Hinweise auf Planet Neun. Sie beruhen überwiegend auf charakteristischen Bahndaten verschiedener Objekte im Kuipergürtel, die von einem massereichen Himmelskörper beeinflusst werden müssen. Solange er aber nicht mittels eines Teleskops sicher nachgewiesen wird, dürften die Zweifel an seinem Vorhandensein weiterhin bestehen bleiben.