Eine Verhütungsmethode für Männer, die mit 96 Prozent Zuverlässigkeit ähnlich sicher ist wie die hormonelle Verhütung für Frauen, ist im klinischen Versuch vorerst an Nebenwirkungen gescheitert. Das Team um Studienleiter Richard Anderson von der University of Edinburgh sah wegen gehäufter Probleme während der laufenden Studie davon ab, weitere Teilnehmer zu rekrutieren, so dass die Untersuchung früher endete als erhofft. 20 der mehr als 300 Teilnehmer beendeten die Studie vorzeitig wegen Nebenwirkungen wie Akne, Schmerzen durch die Injektion, depressiver Episoden und Veränderungen der Libido. Dennoch sehen die Wissenschaftler das Ergebnis als Teilerfolg: Der alle zwei Monate injizierte Hormoncocktail erwies sich nach Angaben der beteiligten Wissenschaftler als fast so effektiv wie die Antibabypille. Wie es mit dem Präparat nun weitergeht, ist unklar.

Die Teilnehmer erhielten alle zwei Monate je eine Injektion einer Mischung eines künstlichen Progesterons, das in die Keimzellenentstehung eingreift, sowie Testosteron, das negative psychische und physische Effekte des Hormons ausgleicht. Dabei erwies sich das Präparat den bisher für Männer getesteten Hormontherapien als ebenso überlegen wie dem Kondom: Binnen eines halben Jahres unterdrückte die Kombination bei 96 Prozent aller Probanden effektiv die Spermienproduktion. In einem Langzeitversuch mit 266 Männern und ihren Partnerinnen kam es im Zeitraum von einem Jahr zu lediglich vier Schwangerschaften. Nach dem Versuch wollten drei Viertel der beteiligten Männer die Verhütungsmethode trotz der Nebenwirkungen weiter anwenden. Dennoch betrachtete ein Sicherheitskomitee die Effekte, die bei der etablierten Antibabypille für Frauen ebenfalls auftreten, als zu schwer wiegend, um den Versuch fortzusetzen.