Auf der Oberfläche unserer Sonne toben bisweilen Stürme, die unseren irdischen sehr ähnlich scheinen. Astronomen beobachten seit einigen Jahren immer wieder so genannte Sonnentornados, gewaltige Wirbel aus Plasma, nahe der Oberfläche unseres Zentralgestirns. Nun präsentierten Wissenschaftler zum ersten Mal einen Film eines solchen Phänomens.

Die Aufnahmen wurden mit dem NASA-Sonnensatelliten SDO gemacht, der unseren Stern lückenlos in zehn verschiedenen Spektralbereichen beobachtet. Die Aufnahmen des AIA-Instruments an Bord von SDO bieten eine unübertroffen hohe zeitliche und räumliche Auflösung. Dadurch ist es erstmals möglich, Filme vom Geschehen auf der Sonne aufzunehmen. AIA beobachtete, wie extrem heißes Gas mit Temperaturen von 50 000 bis zu 2 000 000 Grad Celsius aus einer Protuberanz wirbelnd in Höhen von rund 100 000 Kilometer befördert wurde. Das verdrillte Magnetfeld der Sonne ist für dieses erstaunliche Verhalten verantwortlich. Das Gas erreichte dabei Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 300 000 Kilometern pro Stunde.

Die Sonnentornados ereignen sich besonders häufig vor Sonneneruptionen. Diese bisweilen gewaltigen Ausbrüche können große Wolken geladener Teilchen in Richtung der Erde schleudern. Dort führen sie vor allem zu Polarlichtern, können aber auch die Funktion empfindlicher Instrumente an Bord von Satelliten beeinträchtigen.

Die Beobachtungsdaten von SDO sind in Echtzeit im Internet frei abrufbar. Auf dieser Seite können Sie die Sonne in den zehn Spektralbereichen des AIA-Instruments betrachten und nach Sonnentornados, Protuberanzen und anderen Zeichen der Sonnenaktivität Ausschau halten. Auf der Seite des Helioviewer-Projekts ist es möglich, die Einzelbilder zu Zeitrafferaufnahmen zusammenzufügen.