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News: Plötzlicher Tod am Ende des Perm

Die Ursache für das Aussterben der Saurier - und mit ihnen vieler anderer Organismen am Ende der Kreidezeit - ist ziemlich sicher ein Asteroiden- oder Kometeneinschlag. Doch in der Erdgeschichte gab es immer wieder Ereignisse, die den größten Teil der Lebewelt auslöschte. In Gesteinen des ausgehenden Perms fanden sich nun ebenfalls Hinweise auf eine extraterrestrische Todesursache.
Im Laufe der Erdgeschichte stand das irdische Leben mehrfach vor einem fast völligen Aus, wobei das spektakulärste Schicksal das Ende der Kreidezeit markierte, als ein Asteroid den Sauriern - und unzähligen anderen Arten - den Garaus machte. Das ist rund 65 Millionen Jahre her, und seitdem hatte die Lebewelt nie wieder derart gelitten. Noch tiefgreifender war allerdings das Massensterben am Ende des Perm vor gut 250 Millionen Jahren. Seinerzeit verschwanden innerhalb von nur 100 000 Jahren 70 Prozent aller Landwirbeltiere; in den Meeren sah es sogar noch schlimmer aus, hier retteten sich nur zehn Prozent aller Organismen in die Trias.

In jener Zeit zerbrach der Superkontinent Pangäa, in dem alle Landmassen der Erde vereint waren, und da es infolgedessen zu Vulkanausbrüchen nie gekannten Ausmaßes kam, gehen viele Forscher davon aus, dass katastrophale Klimaveränderungen die Erde so unwirtlich machten, dass ein Großteil der Pflanzen und Tiere zugrunde gingen.

Doch dann berichteten Anfang 2001 Luann Becker von der University of Washington und ihre Kollegen von Gesteinen jener Zeit, in denen sie so genannte Buckminster-Fullerene fanden, Moleküle aus mindestens 60 Kohlenstoffatomen, in denen Helium-Isotope von einer extraterrestrischen Herkunft zeugten. Ging das Perm womöglich genauso mit einem Paukenschlag zu Ende wie die Kreide?

Zumindest mehren sich die Hinweise darauf. Eine Arbeitsgruppe um Kunio Kaiho von der Tohoku University in Sendai stieß jetzt in der südchinesischen Meishan-Region ebenfalls auf Gesteine, deren Zusammensetzung so merkwürdig ist, dass ihre Entstehung nur durch den Einschlag eines Asteroiden zu erklären ist.

Insbesondere die Verhältnisse der Schwefel- und Strontium-Isotope hatten sich demnach am Ende des Perms dramatisch verändert und ähnelten nun denen im Erdmantel. Zur gleichen Zeit nahmen die Mangan-, Phosphor- und Calciumkonzentrationen deutlich ab. Auch die Zahl der Foraminiferen - kalkschaligen Planktons - ging kräftig zurück.

Als Ursache für so ein Szenario wäre ein großer Meteoriteneinschlag bestens geeignet. Wenn man den früheren Forschungen von Becker und ihren Kollegen glaubt, dann war der Asteroid oder Komet immerhin sechs bis zwölf Kilometer groß gewesen. Ein solcher Brocken hätte, wäre er im Meer eingeschlagen, die Gesteine bis in den Bereich des Erdmantel durchschlagen und hätte zur raschen Freisetzung großer Mengen Schwefel geführt. In der Atmosphäre wäre dieser Schwefel oxidiert und hätte so nicht nur große Mengen Sauerstoff gezehrt, sondern zusammen mit Wasserdampf auch Schwefelsäure gebildet. Saurer Regen wäre die Folge gewesen.

Kein Wunder also, dass nicht nur Mangan- und Phosphorverbindungen gelöst wurden, sondern auch Calciumcarbonate, aus denen unter anderem auch die Foraminiferen ihre Gehäuse bauen. Zu guter Letzt stießen die Geologen um Kunio Kaiho in diesen Gesteinen sogar auf Bestandteile, die kurzfristig großen Drucken ausgesetzt waren, wie sie von Asteroiden- oder Kometeneinschlägen bekannt sind. Solche Zeugen lassen sich auch anderswo finden, zum Beispiel im Umfeld des Chicxulub-Kraters, wo Ende der Kreidezeit der Asteroid niederging, der den Sauriern das Leben kostete.

Jetzt wollen die Forscher sich auch den anderen Massensterben der Erdgeschichte widmen. Ob Ordovizium, Devon oder Trias, vielleicht gibt es für all diese Rückschläge der Lebewelt tatsächlich nur eine Ursache - und zwar eine extraterrestrische.

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