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Medikamente: Resistenzen gegen HIV-Medikament höher als erwartet

In vielen Entwicklungsländern wird HIV-positiven Schwangeren eine einmalige Dosis des Medikaments Nevirapin verabreicht, um eine Infektion des Kindes zu verhindern. Allerdings besteht für die Mütter das Risiko, eine Resistenz gegen das Medikament zu entwickeln, das gerade in ärmeren Regionen der Welt wegen seiner Verfügbarkeit und des geringen Preises immer noch als Mittel der Wahl gilt. Gleich drei neuen Studien zufolge geschieht dies häufiger als bislang angenommen und ist bei Infektionen mit HIV-1 Subtypus C besonders riskant.

Zwei Forschergruppen analysierten das Aufteten der Resistenzen mit Tests, die wesentlich sensibler sind als die Standard-Genotyp-Experimente. Das Team um Jeffrey Johnson vom Zentrum für Krankheitskontrolle und Prävention verwendete eine neue, hochempfindliche Technik zum Aufspüren mutierter und damit resistenter HI-Virenstämme, die von 50 Südafrikanerinnen vor und nach einer Therapie mit einer Einmal-Dosis Nevirapin stammten. Das Ergebnis übertraf deutlich die Schätzungen, die auf einem zuvor durchgeführten konventionellen Verfahren – der Sequenzanalyse – basierten. Statt der erwarteten 40 Prozent wiesen 65 Prozent der Frauen resistente Virenstämme auf. Dies bedeutet auch ein vernichtendes Urteil für die herkömmlichen Testverfahren: Ein Drittel der Erkrankungen bleiben mit ihnen unentdeckt [1].

Die zweite Studie, die von Susan Eshleman von der Johns-Hopkins-Universität geleitet wurde, untersuchte HIV-Muster von neun Müttern und fünf Kindern aus Uganda, die ebenfalls das Medikament einmal erhalten hatten. Zum Einsatz kamen Standardverfahren, aber auch sensiblere Techniken wie in der ersten Studie. Durch diese konnten die Forscher resistente Virenstämme ein Jahr nach der Medikation bei den Müttern feststellen – die konventionellen Methoden versagten auch hier [2].

Eshleman führte auch die dritte Studie durch, wobei es diesmal um die Frage ging, ob die Resistenz gegen Nevirapine abhängig vom Typus des HI-Virus ist. Untersucht wurden 65 Frauen aus Malawi, die sich mit dem – in Entwicklungsländern am stärksten verbreiteten – Subttypus C infiziert hatten und eine Einmal-Dosis des Medikaments erhalten hatten. Ihre Daten wurden mit denen von 241 Frauen aus Uganda verglichen, die ebenfalls behandelt worden waren und mit den Subtypen A oder D infiziert waren. Dabei zeigte sich bei den Patientinnen mit der C-Variante mit 69 Prozent eine deutlich höhere Rate an Resistenzen als bei den beiden anderen HIV-Subtypen (A 19 Prozent und D 36 Prozent), berichten die Forscher [3].

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